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Bildung

Wo wohnst Du?

So alltäglich und selbstverständlich hängt dieses kleine, fast unscheinbare Schild an Häusern, dass sich unsere Gastautorin fragte: Gibt es eine Entstehungsgeschichte und wie war das eigentlich früher?
von mk/ct
Wo wohnst du?


Im Ort kennt man sich mit Namen, Fremde aber müssen sich mühsam durchfragen. Als Wegweiser dienten Familienwappen und Handwerksschilder an den Hauswänden, auch haben viele Häuser Eigennamen, die zwar als offizielle Adresse gelten, aber nicht immer eindeutig sind.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts hießen gleich sechs Häuser in der Wiener Innenstadt „Zum goldenen Adler“ - und weitere 23 Häuser in den Vorstädten. Das störte nicht nur die Boten.

Bereits im 15. Jahrhundert waren die 68 Häuser auf dem Pariser Pont Notre-Dame nummeriert. Häuser der Augsburger Fuggerei wiesen seit 1519 Nummern auf. Flächendeckend eingeführt wurden Hausnummern aber erst im 18. Jahrhundert. Im Zuge einer Polizeireform sollten 1753 in Wien Hausnummern eingeführt und der Bevölkerung mit der Aussicht auf eine erleichterte Verbrechensbekämpfung schmackhaft gemacht werden. Die Kaiserin Maria Theresia wies 1770 den Wiener Bürgermeister an, die Nummern an den Häusern bei Strafe von 9 Gulden kenntlich zu machen.Die Nummern wurden direkt mit schwarzer oder roter Farbe auf die Hauswände gemalt. Das sonst so reformfreudige Preußen ließ sich mit der Nummerierung aber besonders lange Zeit.

Pionier der Nummerierung Berlins ist der Königliche Geheime Kriegsrath Philipp Eisenberg, der als Polizeidirektor und Stadtpräsident über Einfluss bei Hofe verfügte. Der König genehmigte die Nummerierung „um so lieber, da die bemittelten Eigentümer die hierdurch entstehenden Kosten gern selbst übernehmen und für den armen Bürger hierunter keine Lasten entstehen werden.“ Dem Staat auch nicht - eine Reglung, die bis heute in Kraft ist.

Innerhalb der Berliner Stadtmauer nummeriert man die Straßen im Hufeisensystem. Auf einer Straßenseite zählen die Zahlen von eins an hoch bis zum Ende der Straße, von dort wird in umgekehrter Richtung weitergezählt, so dass am Ende die kleinste Ziffer der höchsten gegenüberliegt. Weil aber die Straßen bald über die alten Stadtmauern hinaus verlängert wurden, mussten die Häuser immer wieder neu nummeriert werden. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts zählt man deshalb auf einer Straßenseite die geraden auf der anderen die ungeraden Nummern aufwärts in einer Richtung. Weil die Hufeisen-Zählweise in vielen Straßen erhalten blieb, existieren in Berlin beiden Systeme nebeneinander.

Die „blechernen kleinen Tafeln“, die einst das „Königlich-Preußische neu revidierte Marsch-Reglement vor Seiner Königlichen Majestät“ forderte, wichen um 1800 Nummern-Bleche mit goldenen Zahlen auf blauem Grund, die mittig über der Haustür angeheftet wurden. Das Märkische Museum bewahrte die ovale Hausnummer 76 mit eingestanzten Ecken, die einst an der Residenz Bismarcks in der Wilhelmstraße prangte. Später setzten sich auch in der Stadt die im Umland üblichen schwarz-weißen Nummern durch. Mit der Nostalgie ist spätestens seit Einführung der beleuchteten Hausnummer Schluss, die in Berlin seit 1975 vorgeschrieben ist.

Eine Zahl kommt zu Weltruhm

Der frühneuzeitliche Widerstand gegen die Nummern ist lang erloschen, heute gelten sie als schmückendes Design-Element. So ein Blickfang muss durchaus nicht immer die Nummer eins zeigen, an die Unternehmen so gerne ihre Firmenrepräsentanzen legen - wie jüngst der Medienkonzern Bertelsmann an der Berliner Prachtmeile „Unter den Linden“. Die aus der Zeit der Bezirksnummerierung stammende Kölner Hausnummer 4711 etwa liegt heute in der Glockengasse Nummer vier. Und was wäre die Londoner Downing Street ohne die Zehn, die ein Schildermaler auf die Tür gepinselt hat? Vermutlich nur ein Hauseingang. Erst die Zahl macht sie zur Adresse.

Graz (Österreich)

Die Form der Hausnummer spiegelt zuweilen historische Entwicklungen wider. So hatten in der Habsburger-Monarchie alle Straßen, die von außen ins Zentrum führten, rechteckige Nummern- und Straßenbezeichnungstafeln, während alle anderen mit ovalen Tafeln versehen waren. Vier Beispiele aus Graz seien angeführt: Die Elisabethstraße und die Klosterwiesgasse führen Richtung Zentrum, die Merangasse und die Jungferngasse nicht. Manche Hausbesitzer haben die ursprünglich grauen Tafeln bemalt, so dass nicht immer der Originalfarbton zu sehen ist.


Deutschland

Eine „besondere“ Form der Hausnummer kann auch als Auszeichnung dienen. Die Goldene Hausnummer bekamen Hausgemeinschaften in der DDR für vorbildliche Pflege und Gestaltung ihres Hauses.

Das Saarland verleiht seit 1996 eine Grüne Hausnummer für umweltbewusstes Bauen und Wohnen; Kommunen wie Erfurt und Mainz schlossen sich seitdem an.


Baarle (Belgien/Niederlande)

In Baarle ist aufgrund des einzigartigen Grenzverlaufs jedes Hausnummernschild auch mit einer Nationalitätsbezeichnung (niederländisch/belgisch) versehen.

Quelle: www.ksta.de/12522802 ©2016
Quelle: de.wikipedia.org/wiki/Hausnummer


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