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Gastautoren

"Wiedergefunden"

Eine zu Herzen gehende Geschichte unserer Gastautorin, die die Corona-Zeit mit sich bringt!
von mk/ct
Foto: Grace Winter

"Wiedergefunden"

Mitte März diesen Jahres war es, als ich meinen Enkel fest in die Arme schloss und ihm zu seinen zweijährigen Geburtstag gratulierte. Und dann kam der Coronavirus, der jeden Kontakt für lange Zeit verbot.

Eine schwere Zeit begann für alle Beteiligten.

Ab und zu sah der kleine Mann mich auf dem Handy meiner Tochter per Video-Chat. Ganz dicht rückte er heran und suchte auch die Rückseite des Handys nach seiner Omi ab. Einmal versuchten wir es mit realem Blickkontakt und ein paar Grußworten von der Straße zum geöffneten Fenster, aber es endete nur in Tränen.

Darum verbot sich näherer Kontakt. Nicht nur wegen der Ansteckung, sondern auch, weil dieser kleine Knirps es gar nicht verstand, dass Omi Abstand zu ihm und den anderen Familienmitgliedern halten musste.

Nach über einem viertel Jahr ist es uns wieder möglich, sich zu treffen, und dass ich auf den kleinen Mann aufpassen kann. Über drei Monate - eine lange, eine sehr lange Zeit für ein kleines Kind.

Das Aufpassen gestaltete sich schwierig für mich und für meinen Enkel. Es war schrecklich, denn mein „Knöpfchen“ erkannte mich nicht wieder. Ich war für ihn eine Fremde geworden.

Bilderbuch ansehen und vorlesen, Bauklötzchen stapeln, Bagger fahren, im Garten fangen und Ball spielen, nichts half. Er weinte und jammerte nach seiner Mami. Ich fühlte mich sehr hilflos, da ich ihn immer nur kurze Zeit trösten konnte.

Auch bei einem seiner neuen Spiele, ein Puzzle-Bilderbuch mit Memorie-Karten, das wir auf dem Fußboden in der Wohnung spielten, flackerte immer wieder sein Weinen auf. Als das Spiel fast zu Ende war, stellten wir fest, dass zwei verschiedene Memorie-Karten fehlten, und wie in den alten Zeiten vor Corona, legte ich mich auf den Bauch und spähte unter die Möbel, ob sich dort die Teile verbargen.

Da hörte ich ein zaghaft fragendes „O M I “? und nochmals „Omi“?

„JA?“ Glückstrahlend setzte ich mich auf und genauso strahlte mich mein Enkel an. Mein "Knöpfchen" hatte mich wiedergefunden.

Alles war wieder gut, obwohl wir die fehlenden Teile nicht fanden.

©diekleinebenzmann

Foto: Grace Winter/www.pixelio.de

 

 

 

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