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Gastautoren

"Wenn jemand eine Reise tut......

.....so kann er was erzählen" (Matthias Claudius). Der Valentinstag nahte und keiner da, der mir etwas Liebes tun konnte, außer ich mir selbst. Kurzentschlossen buchte ich für diesen Tag eine Busfahrt ins Blaue. Bus 2 Sitzplatz 22, Abfahrt 10.00 Uhr.
von mk/ct
© mk
© mk

Eine angenehme Startzeit, konnte ich doch in Ruhe meine Tiere vorher versorgen und auch noch gemütlich frühstücken.
Der Valentinstag war ein sehr kalter Tag, mit freundlichem Sonnenschein, der auch schon etwas wärmte. An der Bushaltestelle fand ich schon ein munteres Trüppchen vor. Wir begrüßten uns, denn wir kannten uns alle von irgendwelchen Veranstaltungen oder anderen Begegnungen her.
Einige von ihnen hatten schon in den vergangenen Jahren eine Valentins-Busfahrt mitgemacht und so wurde gerätselt, wohin die Fahrt wohl gehen mag. Der Bus traf ein, und wir suchten unsere Plätze auf. Bis auf den letzten Platz war der Bus ausgebucht.

Von meinem Platz war ich nicht so begeistert. Kein Fensterplatz, in der Mitte des Busses und dann auch noch genau neben der Toilette. Machte ich Busfahrten, so suchte ich mir stets im hinteren Teil einen Fensterplatz.
Naja, egal, so schlimm wird es schon nicht werden, dachte ich mir noch, denn wir sind vernünftige Menschen und am Morgen war genug Zeit gewesen, um sich auf die Fahrt mit dem Bus vorzubereiten.
Der Busfahrer fand herzliche Begrüßungsworte für uns und schon ging die Fahrt los.
Keine drei Minuten waren vergangen, und zum ersten Mal klappte die Toilettentür. Innerhalb von 15 Minuten bekam die Toilette drei Mal Besuch. Genau um 10.25 Uhr stieg mir der Mief eines Plumpsklos in die Nase. Das konnte ja heiter werden!
Meine Sitznachbarin, eine ältere Dame mit harscher Stimme, lief auch schon nach kurzer Zeit zu Hochtouren auf. Erzählte mir von einer Feier, zu der sie geladen worden war, um nicht alleine zu Hause zu sitzen. Sie hatte sich darauf gefreut, sich unterhalten zu können, war aber nicht zu Wort gekommen. Nun, das schien sie nun nachholen zu wollen... Sie erzählte über Menschen, die ich nicht kannte, und erzählte und erzählte... und klopfte mir nach jeder kurzen Sprachpause auf meinen Arm, um meine Aufmerksamkeit wieder zu erringen, wie auch um besondere Passagen ihres Wortschwalles hervorzuheben.
Na prima!
Der Sonnenschein war herrlich, die Sicht klar, die Bäume entlaubt, man konnte weit ins Ländle schauen, der Busfahrer fuhr gut...
An meinen Augen rauschte die schöne und unbekannte Landschaft vorbei, auf der einen Seite die Worte und an der anderen Seite die Toilettenspülung. Mein Arm wie ein Schnitzel weichgeklopft. Die Musik dudelte leise aus den Lautsprechern, und der Busfahrer machte uns hin und wieder auf besondere Sehenswürdigkeiten aufmerksam oder erzählte Witze. Sie kamen gut an, man hatte das Gefühl, der ganze Bus machte einen Satz nach vorn, wenn die Heiterkeit aus allen, wie auch aus mir, ausbrach. Echt froh war ich darüber, lenkten sie mich doch für Sekunden ab.
Um die Mittagszeit hatten wir unser erstes Etappenziel erreicht.
Etwas außerhalb gelegen, ein schönes Restaurant mit einer verglasten Terrasse, die einen traumhaften Blick freigab, in ein Tal mit Fluss und einer schön geschwungenen Brücke darüber.
Stilvoll gedeckte Tische mit gemütlicher Atmosphäre erwarteten uns, genau wie der Chef, der selbstmit seiner Crew kochte.
Ein reichhaltige Büfett wurde aufgebaut, während wir unsere Getränke bestellten. Glück hatte ich mit meinen Tischnachbarn. Sehr nette und angenehme Menschen, so dass sich mein Magen beruhigte, und auch ich gewillt war, mir meinen Teller mit etwas Essen am Büfett aufzufüllen.
Aber kaum hatte ich meine Nachspeise aus dem Schüsselchen vertilgt, drängte es mich nach draußen.
So verabschiedete ich mich von meinen Tischnachbarn und machte mich auf einen Rundgang. Dieses kalte, aber schöne Wetter, und dann die tolle Landschaft, die musste ich erkunden. Vor allen Dingen musste ich meine Lungen mit frischer klarer Luft füllen für die kommende Zeit im Bus.
Zwei Stunden später ging es dann auch schon weiter zum nächsten Etappenziel. .

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Die frische klare Luft tat mir gut, nur meine Füße brannten nach dem ausgedehnten Spaziergang etwas, auch war ich rechtschaffen müde geworden, ungewohnt ohne meinen Mittagsschlaf.
Ich war glücklich, wieder in den Bus steigen zu können.
Meine Lungen und mein Arm hatten sich in der Zwischenzeit gut erholt und der Bus war gelüftet worden.
Bald war jeder wieder auf seinem Sitzplatz, und die allgemeine Unruhe hatte sich gelegt. Der Busfahrer machte noch seinen Kontrollgang, nicht dass am Ende der Reise festgestellt wurde, dass jemand fehlte. Und schon ging die Fahrt los.
Die Musik dudelte wieder leise, die Sonne schien wärmend durch die Fensterscheiben und bis auf ein paar leisen Gesprächen, war eine angenehme Mattigkeit im Bus zu spüren.
Je nach Höhe der Berge oder Tiefe das Tales sah man die Baumstämme kurz über den Wurzeln oder die Baumwipfeln des Waldes an den Fenstern vorbei ziehen, auch Schneematten oder kahle Felder. Schnell wechselnde Lichtverhältnisse entstanden und manch einer suchte Schutz hinter seiner am Fenster angebrachten Gardine.
Der Bus erwärmte sich und recht bald hörte man Schnarchgeräusche, und es schwebten, wie auf einem orientalischen Basar Gerüche durch den Bus. Leiber, Deos und Parfums, Bier und Wein, und das Essen vom Büfett taten ihr übriges. Einzelne Arme reckten sich nach oben zu der Klimaanlage über den Sitzen, und fummelten daran herum.
Die harsche Stimme neben mir war eingeschlafen, und auch ich schloss mein Augen und genoss das Gefahren werden.
Ein Schlag auf meinen Oberarm und der Klang des rauen Rufes „Störche, Störche!“ rissen mich aus meinem Sekundenschlaf. „Kann nicht sein, genauso wenig, wie mein Arm ein Kotelett ist.“
Gestärkt durch die Pause und nun auch noch wütend: „Unterlassen sie das, weiter auf meinen Arm zu schlagen.“ Daraufhin drehte sich meine Sitznachbarin demonstrativ zum Fenster und zeigte mir ihre kalte Schulter. Ich war erleichtert, dieses Thema war nun durch.
Von wegen! Bei der Durchfahrt der nächsten Kleinstadt, wollte sie mich auf ein Gebäude aufmerksam machen, als wenn ich nicht selbst Augen im Kopf hätte, grabschte sie mir auf meinen Oberschenkel und schlug dann mit zwei Fingern immer auf die gleiche Stelle, im Takt mit ihren Worten. Also verlagerte ich meinen Körper, stellte meine Beine Richtung Gang, was mir wenig half, genauso wie meine mehrmaligen Bitten, damit aufzuhören.
Ich war froh, als wir das nächste Ziel erreicht hatten, und ich aussteigen konnte. Recken, meinen Körper in einer geraden Linie wieder richten, und vor allen Dingen den Krakenarmen entfliehen zu können.
Ein Ausflugsziel, leider in Winterruhe, nur das Café war geöffnet. Hungrig, denn viel hatte ich nicht zu Mittag gegessen, suchte ich mir zwei verschiedene Tortenstücke aus.
Als die Stücke serviert wurden, fielen nicht nur mir, sondern auch meinen Tischnachbarn fast die Augen aus dem Kopf. Ich hatte mit ganz normal geschnittenen Tortenstückchen gerechnet, aber die Höhe dieser Torten betrug etwa fünfzehn Zentimeter, wenn nicht gar sechzehn Zentimeter. Nun war jedes Stück nicht weniger als zwölf Zentimeter breit. Das war eine Tortenschlacht so recht nach meinem Herzen.
Alle an meinem Tisch und auch ich lachten, als ich die beiden Teller bis auf den letzten Krümel geleert hatte. Zwei Teller, weil nur ein Stück auf einen Kuchenteller passte. Hinterher ärgerte ich mich nur, diese Riesenstücke nicht fotografiert zu haben, denn sie sind in der heutigen Zeit eine wahre Rarität. Natürlich fragten wir uns, wie hoch der Preis für so ein Stück wohl sein würde, und wurden mehr als angenehm überrascht, als die Rechnung kam.

Meine aufgeschlossenen Tischnachbarn, das Tortenbüfett mit der moderaten Rechnung entschädigten mich reichlich.
Es dämmerte schon, als wir hochzufrieden in den Bus stiegen. Zum Abschied verzauberte das Abendrot den kahlen Wald auf den gegenüber liegenden Hängen in den Farben des Indian Summers. Was für eine tolle Kulisse!
Mit dem Blick auf die untergehenden Sonne traten wir unsere Heimreise an.
Ein Hut wurde von Platz zu Platz gereicht, mit der obligatorischen Bitte um ein Spende für den Busfahrer. Meine Nachbarin war etwas ruhiger geworden, das Alter forderte anscheinend seinen Tribut, wofür ich sehr glücklich war.
Die Lichter der Landebahn sah ich in der Ferne aufblitzen und wusste, nun ist die Fahrt schon bald zu Ende. Erneut traf mich ein Schlag am Oberarm „Da, der Flugplatz.“, und diesmal war der Schlag so kräftig, dass ein heftiger Schmerz meinen Arm durchzuckte. Sie hatte es geschafft, auch meine Nerven waren weichgeklopft, mit heißer Wut schlug ich zurück.

„Das darf doch nicht war sein! Können sie ihre Hände nicht bei sich behalten?“ Ich war so stinkig sauer, dass es mir egal war, ob die anderen meine lauten Worte gehört hatten oder nicht. Meine linke Seite, Oberarm wie Oberschenkel waren weichgeklopft, der Kopf schwirrte mir vom steten Gebrabbel der Alten, und ich war nur zu froh, als die Fahrt zu Ende war und ich aussteigen konnte.
Plötzlich hörte ich die Stimme des Busfahrers hinter mir „Möchten sie Ihr Valentinsgeschenk denn nicht mitnehmen?“ Ich drehte mich um und sah, dass die Klappe des Gepäckraums geöffnet war. Ein Meer von rosa Azaleen schaute mich an. „Oh nein, Azaleen und dann auch noch rosa!“ , schoss es mir so durch den Kopf. Der Busfahrer griff nach einem Topf, schaute mich dann an, zögerte einen Moment und stellte den Topf wieder hinein, verschwand in die Tiefen des Stauraums und kam mit einem anderen Topf hervor. Einer Azalee in einer traumhaften Farbe. Ich war entzückt. Bedankte mich überschwenglich, auch nochmals für seinen Fahrstil und das schöne Rahmenprogramm.
Am nächsten Morgen bearbeitete ich die neuen Fotos am PC, sah mir noch einmal meine Reiseunterlagen an.
Bus 2, Platz 22
Ein moderner Bus mit riesigen Panoramascheiben, komfortableren Sitzen und noch mehr Luxus.
Das war gar nicht der Bus, mit dem ich unterwegs gewesen bin.
Ich war mit dem falschen Bus gefahren!
Ich war mit dem Bus 1 unterwegs gewesen!
Statt mit dem Bus 2, der dieselbe Haltestelle anfuhr, nur ein paar Minuten nach dem Bus, in dem ich eingestiegen war.
 

© diekleinebenzmann

 

 

 

 

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