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Gastautoren

.....und schon wieder ein Linkshänder!

Heute ist alles kein Problem, aber wie erging es früher jungen Menschen, die Linkshänder waren? Darüber schreibt unsere Gastautorin in ihrem Bericht.
von mk/ct

Als Linkshänder hatte ich früher so manche Hürde zu meistern.
Ich kann mich noch gut daran erinnern, wenn ich jemandem zur Begrüßung die linke Hand gab, und man zu mir sagte: „Gib die schöne Hand!“
Ja, was ist denn eine „schöne“ Hand für ein Kind, wenn es zwei schöne Hände hat?

- Damals, bis in den 1970er Jahren, versuchte man Linkshänder noch umzuerziehen. -

Meine Großeltern, väterlicherseits, banden mir die linke Hand beim Essen auf den Rücken. Ich war gerade mal drei Jahre alt.
Später in der Grundschule wurde ich von meinem Klassenlehrer, der auch der Rektor der Schule war, mit Schläge eines Rohrstocks auf die Fingerspitzen gemaßregelt. Am Ende des Schuljahres wurde mir ein Zeugnis verweigert, weil ich links im Unterricht geschrieben hatte. Zum Glück ging dieser Rektor und seine Stellvertreterin nach diesem Schuljahr in den Ruhestand. Der neue Rektor, mit dem auch meine Eltern gesprochen hatten, erlaubte mir,  mit der linken Hand zu schreiben. „Es ist egal, mit welcher Hand du schreibst, Hauptsache, es ist richtig und leserlich geschrieben!“
Mit dieser Ansage war der Druck für mich gefallen, und mit der Zeit gelang es mir mit der rechten Hand zu schreiben.
Auch in meiner Lehrzeit als Schneiderin musste ich von der linken zur rechten Hand wechseln. Wenn ich zum Beispiel mit der linken Hand eine Naht nähte, fiel die Richtung der Stiche nach einer Seite und wenn ein Rechtshänder die Naht fortführen sollte, fielen die Stiche in die andere Richtung. Solch eine Naht sah unsauber aus, und dies ließ mein Meister nicht durchgehen. Also durfte ich nur mit der rechten Hand nähen, was mir sehr schwer fiel, denn ich hatte in der rechten Hand nicht die Kraft, die die linke hatte. Ein Fingerhut half mir dabei, die Kraft zu verstärken.
Scheren gab es damals auch noch nicht für Linkshänder, so lernte ich, mit der rechten Hand zu schneiden.
Es gab so viele Dinge, die nicht für Linkshänder ausgelegt waren, bei denen ich umdenken musste.
Für uns „Linkspoten“ gibt es heutzutage Spitzer, Füller, Lineale und Spiralblöcke, Computermäuse, Scheren, Messer, Korkenzieher, Dosenöffner und vieles mehr. Besonderheiten sind immer noch Armbanduhren, Musikinstrumente wie Gitarren, Klaviere und Blockflöten.
Linkshänder zu sein hat aber nicht nur schlechte Seiten gehabt, beim Sport, wie Tischtennis oder Badminton, war ich sehr beliebt, auch der Handballverein hat mehrmals angefragt, ob ich nicht mitmachen wollte.
Und die Umerziehung hat auch sein Gutes gehabt, nun bin ich fast beidhändig; kann mich aber dadurch bei einer Handverletzung einer Hand nicht herausreden und sagen, es geht nicht, weil diese oder jene Hand verletzt ist.
Ja, und warum ich nun diese Geschichte aufgeschrieben habe? Mein Knöpfchen, mein Enkel... Vor längerer Zeit merkte ich schon, immer gab er mir zuerst den linken Arm, um Shirt oder Jacke, oder den linken Fuß, um die Socken oder Schuhe anzuziehen. Ich sprach es nicht an, denn Kinder probieren sich erst aus, aber nun steht es fest, auch mein Knöpfchen ist ein Linkspot – der es aber mit seiner Linkshändigkeit viel einfacher im Leben haben wird.

Er wird sich in guter Gesellschaft befinden. Denn auch Mahatma Gandhi, Bill Gates, Marilyn Monroe, Napoleon Bonaparte, Julius Caesar, Paul McCartney, Karl Lagerfeld, Sir Peter Ustinov, Martina Navratilova, Albert Einstein, Albert Schweitzer, Marie Curie, Isaac Newton waren Linkshänder und bestimmt noch viele mehr.

© diekleinebenzmann
Foto: diekleinebenzmann

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