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Glauben und Kirche

"Tagesimpuls"

Ermutigung in schwierigen Zeiten - eine Aktion der Kirchen in Ahlen von Ilse W. Blomberg
von ib/ct
Foto: Stefanie Abel

Tagesimpuls "Durst"

Der Dichter Antoine de Saint – Exupéry erzählt in seinem Buch „Der Kleine Prinz“ folgende Geschichte.  

Ein Händler bietet  höchst wirksame, durststillende Pillen an: „Man schluckt jede Woche eine und spürt überhaupt kein Bedürfnis mehr zu  trinken.“ „Warum verkaufst du das?“, sagte der kleine Prinz. „Das ist eine große Zeitersparnis“, sagte der Händler. „Die Sachverständigen haben Berechnungen angestellt. Man erspart dreiundfünfzig Minuten in der Woche.“

„Und was macht man mit diesen dreiundfünfzig Minuten?“ „Man macht, was man will...“

„Wenn ich dreiundfünfzig Minuten übrig hätte“; sagte der kleine Prinz, „würde ich ganz gemächlich zu einem Brunnen laufen...“

In dieser kleinen Geschichte geht es für mich nur vordergründig um Zeitersparnis und Zeitgewinn. Saint- Exupéry hat diese Geschichte auf dem Hintergrund einer lebensbedrohlichen Erfahrung geschrieben. Nach einem Flugzeugabsturz im Jahre 1936 suchte er in der lybischen Wüste verzweifelt nach Wasser. Im letzten Augenblick wurde er von einer Wüstenkarawane gerettet.

„Wenn ich dreiundfünfzig Minuten übrig hätte“, lässt Saint-Exupéry den  kleinen Prinzen sagen, „würde ich ganz gemächlich zu einem Brunnen laufen.“

Und  dieser Satz trifft. Nur auf ihn kommt es an. Alles andere schiebt den Händler mit seinen Pillen und den Folgen in die dunkle Ecke der Bedeutungs- und Sinnlosigkeit.

Saint- Exupéry kennt das Gefühl des Verdurstens. Er kennt das Gefühl der Verlorenheit, der Einsamkeit, der Verzweiflung, der Aussichtslosigkeit, der Angst. Und er kennt die Freude darüber, einen Brunnen als Ziel zu haben. Er weiß von der Kostbarkeit trinken zu dürfen und  aus Lebensbedrohung gerettet worden zu sein.  Aus Lebensbedrohung ins Leben.                                   

Zu welchem Brunnen würden wir laufen nach dem Ende der Durststrecke durch die Coronabedrohung?

Zu dem Brunnen der Kommunikation, zu dem Brunnen der Umarmung, zu dem Brunnen des gemeinsamen Singens, zu dem Brunnen des gemeinsamen Gottesdienstes, zu dem Brunnen des  Miteinanders,  zu dem Brunnen der Fahrt durch die Welt, zu dem Brunnen, der uns zusammen mit anderen (wofür auch immer) jubeln  lässt?

Zu welchem Brunnen würden wir laufen?
Zu welchem Brunnen werden wir laufen?

Wir  werden....
Aus Lebensbedrohung ins Leben.

Ihre Ilse Blomberg

Foto: Stefanie Abel/www.pixelio.de

 

 

 

 

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