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Kultur

Münsterland = "sagen" - haftes Land (16)

 Weiter berichten wir  in unserer Serie von der Sage über  "Witte Wiwekes"
von ct
Foto: Erich Westendarp

Die Sage von den Witten Wiwekes ist nicht nur in vielen Orten des nordwestlichen Münsterlandes verbreitet, sondern auch in dem stammesverwandten holländischen Bezirk Twente. Die Witten Wiwekes sind weiß gekleidete, koboldartige Berggeister oder Halbgottheiten. Sie wohnen in Hügelhöhlen, gewöhnlich an fließendem Wasser und in der Nähe germanischer Götter- und Opferstätten. Ihre Wohnungen bergen große Reichtümer.

Den Menschen gegenüber sind die Wiwekes im allgemeinen freundlich gesinnt. Wenn auf einem Bauernhofe eine Hochzeit vorbereitet wird, leihen sie dazu bereitwillig ihr zinnernes  Geschirr, wie Töpfe, Näpfe, Teller usw. Der Hochzeiter braucht kein anderes Entgelt als einen Braten von der Hochzeitstafel dafür zu leisten. Auch verfügen die Berggeister über mächtige Kupferkessel, die den in der Nähe wohnhaften Bauern wiederholt gute Dienste beim Brauen des Bieres taten.
Den Witten Wiwekes werden jedoch auch schlechte Eigenschaften nachgesagt. Sie lauern den jungen Müttern auf, wenn diese zum ersten Male wieder zur Kirche gehen und schleppen sie mit in ihre Höhle. Des Nachts schleichen sie sich wohl in die Bauernhäuser, um Speck, Schinken, Wurst oder Bier zu holen. Dazu erheben sie Anspruch auf regelmäßige Holzabgabe.
Zu furchtbaren Rachegeistern werden die Halbgottheiten, wenn einer sich erdreistet, sie zu ärgern oder gar gegen die gewohnte Sitte der Abgabe des Bratens oder des Holzes verstößt. Fast in jedem Ort findet sich ein Knecht, seltener ein Bauersohn, der sich hohnlächelnd auf ein schnelles Pferd schwingt und zum Entsetzen seiner Mitmenschen in vorgerückter Abendstunde an der Geisterhöhle vorüberreitet, den Zorn der Wiwekes durch verächtliche Ausrufe hervorrufend.
Zuweilen schleudert der Verwegene ein „Spitt“ in die Höhle hinein, weil jene zur Nachtzeit danach rufen.
Bald darauf setzt eine Jagd auf Leben und Tod ein. Mit Blitzesgeschwindigkeit machen sich die beleidigten Kobolde kampfbereit. Der Reiter treibt sein Pferd zur äußersten Eile an. Jedoch schneller als der Renner sind die racheschnaubenden Wiwekes. In der hoch erhobenen Hand schwingen sie das Beil, die Axt oder eine Lanze. Immer geringer wird der Abstand, immer größer die Furcht des Gehetzten.
Da – als er bereits die Hoffnung auf Entkommen preisgegeben hatte, erblickt er das sperrweit geöffnete Tennentor, und in weitem Sprunge setzt er unter das schützende Dach. Die nachgeschleuderte Waffe verfehlt ihr Ziel. Sie gräbt sich in den Türpfosten ein oder reißt dem Pferde den Huf ab.

Foto: Erich Westedarp/www.pixelio.de

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