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Gastautoren

Gedanken zum Sonntag

von unserer Gastautorin Ilse W. Blomberg......"Hände können auch sprechen".....
von ib/ct
Ilse W. Blomberg

Ich kann mich an eine ganz besondere Unterrichtsstunde erinnern. Meine Schüler im dritten Schuljahr und ich saßen im Stuhlkreis. Ich stellte sie vor folgende Aufgabe:

„In der Mitte unseres Stuhlkreises seht ihr eine kleine Kiste. Daraus dürft ihr einen Zettel ziehen. Auf dem Zettel steht eine Anweisung. Ihr sollt eine ganz alltägliche Situation darstellen. Und wir müssen raten, um welche Situation es sich handelt.  Das Besondere ist, ihr dürft nicht sprechen, sondern nur eure Hände benutzen.“
Das trauten sich einige sofort zu. Da gab es natürlich ganz einfache Situationen wie Händewaschen, aber auch jemanden bitten, ihm zu helfen oder ihn zu bitten, jemanden in Ruhe zu lassen. So klar zu durchschauen war das nicht immer.

Ich erinnere mich  an die volle Konzentration meiner Schüler  auf die Hände der Darsteller. Es gab nur noch diese Hände. Hände formten Gegenstände, Hände legten sich an die Lippen, Hände boten Einhalt, Hände hielten etwas umschlungen, Hände streichelten, Hände wurden zum bemerkenswerten Instrument. Ich erinnere mich gern an meine Schüler und ihr konzentriertes Darstellen, Zusehen und Entdecken. Da war eine ganz besondere Atmosphäre im Raum. Sprechende Hände.

An welch sprechende Hände erinnern Sie sich gerne? Welch sprechende Hand hat einen so großen Platz in Ihrem Leben, dass Sie sie  nicht vergessen haben und nie vergessen werden?

Eine solche Hand habe ich vor Jahren im St.-Franziskus-Hospital erleben dürfen. Es war mein letzter Tag im Krankenhaus. Nach dem Frühstück sollte ich entlassen werden. Mit gepackter Tasche saß ich an meinem Frühstückstisch und freute mich auf mein Frühstück, aber es kam kein Frühstück. Kein heißer Kaffee, kein gekochtes Ei, kein frisches Brötchen, keine Butter, keine Marmelade, also, das war schon traurig. Doch nach der Entdeckung meiner Situation wurde heißer Kaffee, ein trockenes Brötchen und Marmelade nachgeliefert. Immer noch traurig.

Aber dann kam die Stationsärztin in mein Zimmer. Sie streckte mir ihre geschlossenen Hände entgegen. In ihren Händen eingeschlossen war ein kleines Päckchen Butter aus dem Eisfach. Sie wärmte es und wärmte mit dieser sprechenden Hand mein Herz. Sie nickte mir freundlich zu: “Ohne Butter schmeckte doch so ein frisches Brötchen nicht!“ Aber die Geste der mir zugewandten Hände übertönten ihre Worte noch und an die erinnere ich mich gern.

Ich wünsche Ihnen „sprechende Hände“, die Sie begleiten und beschützen und Ihnen Gutes tun.

Ilse w. Blomberg
Religions- und Grundschullehrerin
von 1968 bis 2006

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