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Gastautoren

Die Brieftaube

Eine Geschichte von Friederich Buchmann
von fb/ct
Friederich Buchmann

Die Brieftaube

Ich komme aus unserem Haus und gehe auf die Terrasse. Mein Blick fällt auf den Hof und ich sehe, wie der schwarze Kater des Nachbarn versucht, einen Vogel zu fangen. Es ist kein kleines Tier, nein, es ist eine Taube. Das Täubchen läuft weg und versteckt sich hinter einen Blumenkübel. Ich mache Radau und der Kater haut ab, er springt auf die Mauer und beobachtet alles von oben. Sein Blick fällt auf den grau gescheckten Vogel. Dieser macht keine Anstalten wegzufliegen. Da ich nicht so gut zu Fuß bin, rufe ich meine Frau. Sie kommt auch gleich. Ich humple zu dem Blumenkübel, meine Holde hinterher.
Da sitzt die Taube. Sie hat einen Ring um ein Bein. Wir versuchen sie, unter den Augen des schwarzen Katers zu fangen. Es klappt besser, als ich gedacht habe. Als ich meine rechte Hand zu dem Federvieh bringe, setzt es sich einfach hin. Es war eine Leichtigkeit sie zu fangen. Meine Frau holt aus unseren Schuppen einen Karton, und wir setzen die Taube rein. Es ist eine Brieftaube. Sie setzt sich in eine Ecke der Pappschachtel. Ich mache diese zu.
Der Kater auf der Grundstücksmauer ist abgehauen. Er hat wohl gesehen, das er keine Chance hat, die Brieftaube zu fangen.
Den Karton stelle ich erst einmal in den Schuppen. Meine Frau hat bereits Haferflocken geholt und streut ein Paar neben die Taube in ihr lebensrettendes Gefängnis.
Mein Weg führt mich in die Küche zum Telefon. Ich rufe Karl-Heinz an, einen Bekannten von uns. Er ist Brieftaubenzüchter und ich habe ihm mein Erlebnis von eben berichtet. Zur Antwort bekomme ich nur: „Ich komme gleich!“ Es dauert keine fünf Minuten und vor unserem Haus hält ein Auto. Karl-Heinz kommt mit einem kleinen Käfig auf unseren Hof. Ich zeige ihm die Taube, und er nimmt sie aus dem Karton und sperrt sie in den Käfig. Plötzlich sitzt der Kater wieder auf der Mauer und beobachtet uns.
Karl-Heinz meint dann zu mir: „Das ist noch ein junges Tier. Sie hatte keine Kraft mehr, den Flug zu Ende zu bringen. Wahrscheinlich war es ihr erster Flug. Ich nehme sie mit nach Hause und sperre die junge Taube bei mir in den Taubenschlag und werde sie aufpäppeln. Anhand des Ringes kann ich den Besitzer feststellen. Den werde ich anrufen, entweder er holt sie oder ich lasse sie fliegen, wenn sie zu Kräften gekommen ist. Das soll er entscheiden.“
Bei der nächsten Geburtstagsfeier unseres Bekanntenkreises war Karl- Heinz auch dabei, und er berichtete mir. Dass die Taube aus Potsdam kam und auf den Weg nach Niedersachsen war. Nach vierzehn Tagen hat er sie wieder fliegen lasse und sie kam zu Hause an, das hat ihm der Züchter aus Peine am Telefon berichtet. Ich war froh, dass der schwarze Kater sie nicht gefangen hatte.

Friederich Buchmann

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Anmerkung der Redaktion:
In der Antike und in Napoleons Kriegen waren Brieftauben Nachrichtenübermittler.
"Armando" ist seit 2019 die teuerste Brieftaube. Mehr als 1,2 Millionen Euro hat ein Käufer aus China für ihn an einen Züchter aus Belgien bezahlt. Oft fragt man sich, woher diese Tiere wissen, wohin sie müssen. Es wird vermutet, dass sie einen inneren Kompass haben, mit dem sie die Magnetfelder der Erde spüren können. Deshalb wird der Orientierungssinne der Brieftauben von dem Magnetfeld der Erde bestimmt. In ihrer Schnabelhaut hat man ein Eisenoxyd gefunden.

 

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