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Gastautoren

"....... und der Nachbar freut sich"

eine kleine Geschichte von unserer Gastautorin. Vielleicht ist  Ihnen so etwas auch schon mal passiert!
von mk/ct
Foto: Rainer Sturm

Und der Nachbar freut sich...

Es war Samstagmorgen und ich musste unbedingt noch einkaufen. Der Einkaufszettel war zu lang und die Ware zu schwer, um das Einkaufen zu Fuß zu erledigen. So entschloss ich mich, trotz des vielen Schnees, mit dem Auto zu fahren.

Mein Auto stand nicht in einer wunderschönen wetterfesten Garage, sondern an einer schnöden Laternengarage.

Ja, wo steht es denn?

Alle PKWs an der Straße waren zugeschneit. Aber man weiß ja so zirka, wo man immer parkt. Also begann ich oben am Dach die dicke Schneedecke abzufegen.

War so vertieft in meine Arbeit, dass ich den „Guten-Morgen-Gruß“ eines Nachbarn, der von der Arbeit gekommen war und sein Auto hinter meinem abstellte, beinahe überhörte.

Dann begann ich die Scheiben ringsherum vom Eis zu befreien, das unter dem Schnee hervorgekommen war. Die Frontscheibe hatte ich abends zuvor vorsichtshalber mit einer Folie geschützt, und sparte mir dadurch das Freikratzen.

Aber an den Seitenfenstern verzweifelte ich fast, doch irgendwann war auch das Heckfenster eisfrei.

Als ich die untere Karosserie freischaufelte, und das KFZ-Zeichen sichtbar wurde, kam es mir in den Sinn, dass ich beim nächsten Mal dort anfangen sollte, um nicht ein fremdes Fahrzeug von Schnee und Eis zu befreien.

Aber ich hatte Glück, es war tatsächlich mein Auto, dass ich fahrbereit gemacht hatte.

Ich musste nur noch ein paar Schritte zu meinem Balkon gehen, um die nasse Abdeckfolie über meine Balkonbrüstung zu werfen, denn ins Auto wollte ich sie nicht legen. Mit meinen nassen Schuhen würde ich genug Feuchtigkeit mit ins Auto holen.

Die Folie landete zielsicher auf meinem Balkon, und ich kehrte zurück zu meinem Auto, dabei merkte ich, wie warm mir durch die Arbeit geworden war, nur meine Hände waren eiskalt, leider waren die Fingerspitzen der Handschuhe nass und nun auch noch weiß vom Frost.

„Was für eine Wahnsinns-Luftfeuchtigkeit ist denn heute, und wie kalt muss es sein?“ waren meine Gedanken, als ich das Auto sah. Denn die Scheiben am Auto waren wieder dick mit Eisblumen übersät. Also war wieder Kratzen angesagt.

Und ehrlich gesagt, ich kam richtig ins Schwitzen. Endlich waren die Scheiben frei, und ich wollte in mein Auto einsteigen.

Verschlossen! - ? -

Ich rüttelte an der Fahrertür. Den Schlüssel hatte ich, bevor ich  mit der Kratzerei anfing, vorsichtshalber ins Zündschloss gesteckt, damit ich ihn nicht im Schnee verliere und womöglich nicht wiederfand. Mein Haustürschlüssel steckte im Einkaufskorb, und der stand auf dem Beifahrersitz.

Ich ging um das Auto herum, rüttelte an den hinteren Türen und auch an der Beifahrertür.

Ratlos stand ich vor den verschlossenen Autotüren...

Mein Korb - wo ist mein Einkaufskorb? Da stand ja gar kein Einkaufskorb!

Das war gar nicht mein Auto, rieselte es langsam in meinem Bewusstsein. Verstohlen schaute ich mich um, hatte jemand mich beobachtet? Oh Gott, wie peinlich.

Mein Auto stand ein Stückchen weiter, genau gesagt, vor dem Auto, vor dem ich jetzt stand und dessen Scheiben ich vom Eis befreit hatte. Beide Autos waren vom gleichen Hersteller, vom gleichen Typ und beide hatten das silberne Grau.

Ich war in der weißen Landschaft, als ich vom Balkon zurücktrat, einfach ein paar Schritte zu weit gegangen.

© diekleinebenzmann

Foto: Rainer Sturm/www.pixelio.de

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