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Plattdeutsch / Sütterlin

"De Gröttste"

Eine plattdeutsche Geschichte von Hans Sasse† mit Übersetzung ins Hochdeutsche
von ga/ct
Hans Sasse


De Gröttste

Vader Schmeing satt met siene fief Süene an eenen kaollen Winteraobend in de Küeck unner de Lampe bie‘t Aobendiätten. De Pann met Braotkartuffeln stonn up‘n Dischk. Jedereen nam sick sienen Deel ut de Pann.

De Süene waoren in‘t Duorp un bi de Naobers all bieneen, bis op den kleinsten Teinjäöhrigen, för Wilddeiwe anseihen. Dat de Lüe daomet nich de tiegen laggen, konn man daoan seihen, dat in‘n Braotpott up‘m Füer ‘n Hasenbraoen schmörgelde. Op eenmaol kloppere et an de Düör. De Schandarm quamm harin. Een kaollen Wind blaos in de Küeck. De Schandarm sagg, he här eenen van de Süene bie‘t Wilddeiwen saihen. Män he könn nich säggen, well von de fief et wiesst wüör. Alle, bis op den Kleinsten, trokken de Köppe in. De Schandarm wull nu dat Huus nao Reeschopp för de Jagd düörsöken. Dat beruhigte sei. Se wussen ja, dat sowat garanteet in‘t Huus nich te finnen wass. Se gongen allbieneen met den Schandarm düör‘t Huus. An‘n lästen End quammen se in den Stall. Se steegen op den Heibalken. In den Schien von de Taschkenlamp wass up den Buoden ‘n kleinen Ring to saihen. De Schandarm gönk in de Knai un trok an den Ring. Do schuott unner de kleine Klapp, de he uptrocken har, een Friättken harut. Et sprang de Kleinsten unner dat Wams, wo et ümmer sienen Platz har, wenn et op de Kanickelsjagd gönk.

De Kleine kreeg ‘n füerrauten Kopp. He was nu upfallen. Siiene Bröers waoren reinewägg platt. Ut den Kleinsten waor in äöre Augen met eenmaol de Gröttste waorn, har he siek doch stikum, aone wat te säggen, ‘n Friättken toläggt.

 

Mit freundlicher Genehmigung von Hans Sasse† aus seinem Buch:

N haugen Posten, dicket Gehaolt un däösig!

ISBN 3-8311-1207-X

 

Der Größte

Vater Schmeing saß mit seinen fünf Söhnen an einem kalten Winterabend in der Küche unter der Lampe beim Abendessen. Die Pfanne mit Bratkartoffeln stand auf dem Tisch. Jeder nahm sich seinen Teil aus der Pfanne.

Die Söhne waren im Dorf und bei den Nachbarn alle zusammen, bis auf den kleinsten Zehnjährigen, als Wilddiebe angesehen. Dass die Leute damit nicht daneben lagen, konnte man daran sehen, dass im Bratentopf auf
dem Feuer ein Hasenbraten schmorte.
Auf einmal klopfte es an der Tür. Der Polizist kam herein. Ein kalter Wind blies in die Küche. Der Polizist sagte, er hätte einen von den Söhnen beim Wildern gesehen. Er könne aber nicht sagen, wer von den fünf es gewesen war. Alle, bis auf den Kleinsten, zogen die Köpfe ein. Der Polizist wollte nun das Haus nach Gerätschaften für die Jagd durchsuchen. Das beruhigte sie. Sie wussten ja, dass so etwas garantiert im Haus nicht zu finden war. Sie gingen zusammen mit dem Polizisten durch das Haus. Letzten Endes kamen sie in den Stall. Sie stiegen auf den Heuboden. Im Schein der Taschenlampe war auf dem Boden ein kleiner Ring zu sehen. Der Polizist ging in die Knie (kniete sich) und zog an dem Ring. Da schoss unter der kleinen Klappe, die er aufgezogen hatte, ein Frettchen hervor. Es sprang dem Kleinsten unter die Jacke, wo es immer seinen Platz hatte, wenn es auf die Kaninchenjagd ging.

Der Kleine bekam einen feuerroten Kopf. Er war aufgefallen. Seine Brüder waren erstaunt. Aus dem Kleinsten war in ihren Augen auf einmal der Größte geworden, hatte er sich doch still, ohne etwa zu sagen, ein Frettchen zugelegt.

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