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Kultur

Das weiße Gold

Es war einmal …..vor etwa 300 Jahren. Bei einer Vorführung Anfang des 18. Jahrhunderts geschah Ungeheuerliches….eine "Sensation" würde man es heute nennen:Der Apotheker-Lehrling Johann Friedrich Böttger verwandelte vor einem erstaunten Publikum Silbermünzen in Goldmünzen
von ct

Es war einmal …..
vor etwa 300 Jahren. Bei einer Vorführung Anfang des 18. Jahrhunderts geschah Ungeheuerliches….eine "Sensation" würde man es heute nennen:
Der Apotheker-Lehrling Johann Friedrich Böttger verwandelte vor einem erstaunten Publikum Silbermünzen in Goldmünzen.

Mit einer listigen Täuschung wollte er eigentlich nur seinen Lehrherrn beeindrucken, doch auch August der Starke, seines Zeichens Kurfürst von Sachsen und König von Polen, hörte davon. Dieser wiederum sah sich einer gewinnbringenden Einnahme sehr nahe, denn sein Staatshaushalt war stark überlastet. Also holte er den Apotheker-Lehrling Böttger nach Dresden, er sollte in einem Labor an der Herstellung von Gold arbeiten.

Doch der Erfolg stellte sich nicht ein, auch nicht als August der Starke den Gelehrten Ehrenfried Walther von Tschirnhaus zur Mitwirkung einstellte.
Von Tschirnhaus hatte zuvor an der Herstellung von Porzellan gearbeitet.

Als nun aus der "Gold-Produktion" nichts wurde, widmeten sich beide zusammen der Herstellung vonPorzellan…..und so geschah es, dass bald der Erfolg sichtbar wurde!

1707 stellte Böttger rotbraunes Feinsteinzeug her, das sogenannte Böttger-Steinzeug. Einige Wochen später kam der große Durchbruch:
Böttger und von Tschirnhaus stellten aus Kaolin, Quarz und Feldspat  das "weiße Gold" her. Es war das erste europäische Porzellan. Böttger schrieb damals über seine Labortür:

             Es machte Gott, der große Schöpfer
            aus einem Goldmacher einen Töpfer.

Natürlich war der Kurfürst hoch erfreut,  und er gab am 23. Januar 1710 die Gründung der Manufaktur Meissen bekannt.
Mit der Erfindung des Porzellans in Europa wurde die über Jahrhunderte dauernde Monopolstellung der Chinesen aufgehoben. Seit dem
7. Jahrhundert beherrschten sie die Kunst der Porzellan-Herstellung und die Rezepturen hierzu hielten sie streng gemein.

Da es zur damaligen Zeit bei Hofe schick war, eine eigene Porzellan-Sammlung in seinem Besitz zu haben, konnten Vasen, Geschirr etc. nur aus China eingeführt werden…..und das, wie sollte es auch anders sein, zu Höchstpreisen.

Auch August der Starke war ebenfalls der Porzellan-Sammelleidenschaft verfallen. Er sammelte ca. 35.000 Gegenstände, wovon etwa die Hälfte chinesischen Ursprungs waren. Im Dresdner Zwinger sind heute noch Teile dieser Sammlung zu sehen.

Im Gegensatz zu China blieb hier leider die Formel zur Herstellung des Porzellans nicht lange ein Geheimnis, sodass auch andere europäische Fürstenhäuser das "weiße" Gold herstellen konnten. August der Starke erlangte trotzdem durch die Gründung seiner Porzellanmanufaktur hohes Ansehen.
 
Was früher Könige verzückte, ist heutzutage aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. In jedem Küchenschrank befindet sich das "weiße" Gold….auch wenn es nicht immer mit den 2 gekreuzten Schwertern für die Meissener Manufaktur gekennzeichnet ist. Darüber hinaus kommt es noch z.B in der Elektrotechnik und in der Medizin wegen seiner Stabilität und Oberflächenfestigkeit zum Einsatz.

PS:
Christof von Tschirnhaus aus Lübeck hat uns am 13.02.2013 zur Frage, wer das europäische Porzellan erfunden hat, die folgende interessante Korrektur übersandt... dafür bedanken wir uns recht herzlich:


„Erfinder des europ. Porzellans war der kursächsische Rat und Naturwissenschaftler Ehrenfried Walther von Tschirnhaus (1651-1708). Im gelang es nach jahrelangen Versuchen, in seinem Schmelztiegel das erste Stück weißen Hartporzellans herzustellen. Im Okt.1708 fertigte er noch einen Porzellanbecher. Diese historische Tatsache hat Böttger, der dem Gelehrten als Gehilfe beigegeben worden war, in seinem Brief vom 14.10.1708 dem Sächsischen Hof mitgeteilt.
Tschirnhaus wurde daraufhin 1708 vom König zum Geheimen Rat und Direktor der zu gründenden Manufaktur ernannt und August der Starke verfügte, „... daß wir dem Herrn von Tschirnhausen 2561 Thaler haben auszahlen lassen ...“

In den urkundlichen Quellen im Staatsarchiv zu Dresden liest man folgendes: 1719 schreibt der Generalsekretär der Meißner Manufaktur, „daß die Porzellanerfindung nicht von Böttger, sondern von dem seeligen Herrn von Tschirnhausen herkommt und dessen schriftliche Wissenschaft ihm durch den Inspektor Steinbrück zugebracht worden sey“.

Peter Mohrenthal schrieb 1731 in Dresden:
"Ganß Sachsen wird so leicht den Herrn von Tschirnhausen nicht vergessen, und sein Ruhm wird ewig bestehen, so lange nehmlich, als die Porcellain-Fabriqve in Meißen welche nächst der Chinesischen, ihres gleichen in der Welt nicht hat,... Denn eben der Herr von Tschirnhausen ist derjenige, so die Massam zu Porcellain am ersten glücklich gefunden, und hat sie nach ihm der bekannte Bötticher völlig ausgearbeitet... Der Tod nehmlich unterbrach alle schönen Bemühungen des Herrn von Tschirnhausen, welche die Welt nicht mit Golde bezahlen kann."

Verschiedene Lexika, Universitäten und andere Institutionen haben Korrekturen vorgenommen. Das Sächsische Staatsinstitut hat die Schulbücher korrigiert und nennt nun Tschirnhaus als Porzellanerfinder.

Böttgers Verdienste um die Ausgestaltung des Porzellans sollen nicht geschmälert werden. Die fabrikmäßige Herstellung hat er hervorragend gemeistert.“

Folgende Medien berichteten über den Porzellanerfinder von Tschirnhaus:

*SWR2  „Der Porzellankrimi“ von Gabi Schlag, 14.03.2010
*Hamburger Abendblatt: "Der Porzellan-Krimi" von Karin Lubowski, 4.8.2007
*GEO Special "Porzellan - Ein Krimi aus Sachsen" von Dr. Frank Otto, Universität Hamburg,Ausgabe Juni 2007
*MDR "Der Porzellanerfinder E.W.von Tschirnhaus" von Carla Schulze, 16.4.2006 
*Humboldt Universität zu Berlin "Ein Mathematiker erfand das europäische Porzellan"
von Dr. Klaus Biener, März 2005

Christof von Tschirnhaus, Lübeck“
 

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