Pflege- und Wohnberatung – sachliche und gesetzliche Grundlagen

Sie erreichen unsere Pflege- und Wohnberatung 
Montag bis Donnerstag von  8.00 - 17.00 Uhr und freitags von  8.00 - 15.30 Uhr unter der Telefonnummer  02382-4090. Zudem gibt es eine offene Sprechstunde in Ahlen, Von-Geismar-Straße 12 (Gesundheitsamt) am Dienstag von 14:00 – 17:00 Uhr und Donnerstag von 09:00 – 12:00 Uhr.

Ihr Berater ist Martin Kamps, Verein Alter und Soziales e.V. Er ist außerdem erreichbar unter der Telefonnummer 0 25 81 - 53 50 29 und dem Fax 0 25 81 - 53 9 50 29 und per Mail martin.kamps@kreis-warendorf.de.

Der Verein "Alter und Soziales e.V." nimmt die Aufgaben der Pflege- und Wohnberatung im Auftrag des Kreises Warendorf wahr.

Warum ist individuelle und unabhängige Pflegeberatung wichtig?
Die Pflegekassen beraten doch auch! Und die freundliche Mitarbeiterin des Pflegedienstes ebenfalls. Aber jede dieser Personen ist angestellt bei ihrem Arbeitgeber mit begrenzten Sichtweisen und Eigeninteressen. Wenn Sie eine individuelle, umfassende und unabhängige Beratung wünschen, dann benötigen Sie eine trägerneutrale Beratungsstelle, deren qualifizierte MitarbeiterIn zeitlich flexibel ist, im Bedarfsfall zu Ihnen nach Hause kommt und bei Bedarf Sie bei der Umsetzung des in der Beratung Vereinbarten unterstützt.

Pflegeberatung ist für Ratsuchende sinnvoll
Pflegebedürftigkeit bei Millionen Menschen und oftmals über viele Jahre anhaltend ist für unsere Gesellschaft eine neue Erfahrung. Pflegebedürftigkeit ist ein Thema, das viele Menschen zunehmend in eigener Familie und Bekanntenkreis erleben oder in den Medien wahrnehmen. Vielfach aber wird das mögliche Eintreten für die Elterngeneration oder die eigene Person auch verdrängt. Daher trifft eine plötzlich eintretende Pflegesituation Angehörige oft unvorbereitet und daher planlos. Aber auch in bereits bestehenden Pflegesituationen, in denen pflegende und betreuende Angehörige ihr Bestes geben, kommen diese oft an einen Punkt, wo sie merken, dass es wie bisher nicht weitergehen kann. Ehe Schritte unternommen werden, die sich später als teure Irrwege oder Sackgassen erweisen, ist es empfehlenswert, wie in anderen Entscheidungssituationen auch, sich Rat zu holen. Das Gespräch mit erfahrenen Vertrauenspersonen in Familie und Freundeskreis ist wichtig, wichtig ist aber auch die fachliche Beratung. Längst gibt es nicht mehr nur die Wahl zwischen „entweder Pflege durch die Familie mit etwas Unterstützung durch einen Pflegedienst oder Heimeinzug“. Mit dem erfreulichen Ausbau des Hilfesystems und der Zunahme der Anbieter wird der Markt aber auch unübersichtlich. Auch ist die Pflegeversicherung in ihren Leistungen kontinuierlich weiterentwickelt worden; das Sozialamt darf als Kostenträger auch bei häuslicher Pflege nicht vergessen werden. Außerdem gibt es weitere Möglichkeiten der Finanzierung von Pflege mit teilweise lokalen und krankheitsbezogenen Besonderheiten wie Stiftungen. Im Ergebnis kann man von einem qualifizierten Beratungsgespräch nur profitieren.

Pflegeberatung ist gesetzlich verankert und für Ratsuchende kostenlos
Den Nutzen von Pflegeberatung hat auch der Gesetzgeber erkannt und in verschiedenen Gesetzen einen Beratungsauftrag formuliert. Im Pflegeversicherungsgesetz findet man ihn gleich an drei Stellen:

  • § 7a benennt den Anspruch der Versicherten an ihre Pflegekasse auf individuelle und umfassende Pflegeberatung
  • § 37,3 bestimmt für die Empfänger von Pflegegeld, dass in festgelegten Abständen eine Beratung des Pflegenden zu erfolgen hat. Dieser Beratungsbesuch wird fälschlich oft „Kontrollbesuch“ genannt, soll aber dazu dienen Pflegenden weitere Möglichkeiten der Unterstützung aufzuzeigen.
  • § 92c bestimmt die Möglichkeit „Pflegestützpunkte“ als zentrale wohnortnahe und erreichbare Anlaufstellen für die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen einzurichten.
  • § 71 SGB XII formuliert einen allgemeinen Beratungsanspruch in der Altenhilfe
  • Auch in Landespflegegesetzen ist ein Beratungsauftrag enthalten; in Nordrhein-Westfalen ist dies der § 6 des neuen Landespflegegesetzes.

Pflegeberatung ist effektiv und effizient für Pflegende
Für hilfe- und pflegebedürftige Menschen und deren Angehörige gibt es zahlreiche Angebote. Das können Dienstleistungen sein wie Pflegedienste, Betreuungsgruppen, stundenweise häusliche Betreuung, Tagespflege und anderes mehr. Es können aber auch Hilfsmittel sein oder Umbaumaßnahmen in der Wohnung. In jedem Fall kommt es darauf an die richtige Wahl zu treffen, um ein Ziel zu erreichen. Ein Ziel kann z.B. geringere körperliche Belastung bei der Pflege sein. Dieses Ziel kann man durch richtigen Hilfsmitteleinsatz erreichen, durch einen Umbau, die Schulung einer Pflegeperson aus dem Familienkreis (sofern vorhanden) oder durch Einsatz eines Pflegedienstes. Alle diese Mittel können effektiv sein, d.h. das Ziel der körperlichen Entlastung erreichen. Wenn man jedoch auch den Kostenaufwand berücksichtigt kann es effizienter sein, ein relativ kostengünstiges Hilfsmittel einzusetzen und / oder einen kompetenten Angehörigen zu schulen statt einen aufwändigen Umbau vorzunehmen oder einen Pflegedienst einzusetzen.
In Beratungsgesprächen werden mögliche Hilfen von Angehörigen oft mit der Begründung abgelehnt „Ich mache das alleine solange ich das kann“. Das Ziel eine häusliche Versorgung solange wie möglich durchzuführen kann jedoch mit Hilfen oft besser erreicht werden. Qualifizierte Pflegeberatung kann die richtigen Hilfen aufzeigen, zur Inanspruchnahme der passenden Hilfen motivieren, Überlastungen verhindern und damit beitragen eine häusliche Versorgung unter den Maßgaben der Machbarkeit und Verantwortbarkeit zu sichern.
Bei Alleinlebenden ohne nahe stehende Angehörige ist oft das Ziel der Pflegeberatung eine Unterversorgung und damit das Entstehen schwieriger Situationen, die zu Krankenhausaufenthalten oder Heimeinzügen führen können, zu vermeiden.

Pflegeberatung ist effektiv und effizient: Perspektive der Kranken- und Pflegekassen und Sozialhilfeträger
Qualifizierte Pflegeberatung ist auch für die Kostenträger, seien es die Pflege- und Krankenkassen oder der Sozialhilfeträger, bedeutsam. Der Verein Alter und Soziales hat in einem Forschungsverbund mit dem ISO-Institut Saarbrücken, der Katholischen Fachhochschule Nordrhein-Westfalen, Abteilung Münster (KFHNW) und dem Institut für Medizinische Soziologie der Universitätsmedizin Berlin nachgewiesen, dass vor allem bei Menschen in den unteren Pflegestufen Kosteneffekte durch konsequente Umsetzung des Wunsches der allermeisten Menschen, solange wie möglich in ihrer Wohnung zu verbleiben sowie des gesetzlichen Grundsatzes „ambulant vor teilstationär vor stationär“ zu erzielen sind.

Vernetzung als zentrale Voraussetzung für Pflegeberatung
Vor eine Beratung ist jedoch erst einmal der Zugang zum Menschen mit Beratungsbedarf gesetzt. Allein lebende ältere Menschen wenden sich in der Regel nicht an eine Beratungsstelle. Deshalb ist eine gute Vernetzung z.B. mit dem Hausarzt, der sich anbahnende Problemsituationen erkennen und weiterleiten kann, wichtig. Wichtig ist die Vernetzung mit den örtlichen und regionalen Krankenhäusern und Reha-Kliniken. Wichtig ist die Vernetzung mit Pflegediensten, Betreuungsdiensten, Tagespflege, dem stationären Bereich, anderen Beratungsdiensten, dem Sozialhilfeträger, den Kranken- und Pflegekassen usw. Nur wenn ein enges und strukturiertes Netz aller Beteiligten geknüpft ist, können Hilfen rechtzeitig und passgenau erbracht werden.

Pflegeberatung ist eine Aufgabe der kommunalen Daseinsvorsorge und gehört in die Gemeinde und in das Stadtviertel
Jeder Ort und manchmal auch jeder Ortsteil bzw. jedes Stadtviertel hat seine eigenen Versorgungsangebote und seine eigene Kultur. Daher gehört die Pflegeberatung auch in den Ort, den Ortsteil, das Stadtviertel, denn dort kennt der oder die PflegeberaterIn die Partner im Versorgungssystem und die lokalen Besonderheiten. Genauso wie die Gemeinde im Rahmen der Daseinsvorsorge Schwimmbäder, Bibliotheken, Kinderbetreuungseinrichtungen, Schulen usw. betreibt, muss sie auch die Verantwortung für eine qualifizierte Pflegeberatung für ihre Bürgerinnen und Bürger, für Unternehmen und deren Beschäftigte übernehmen.