Notruf 112 – Besuch bei der Feuerwehr


Die SINN-Aktiv Radfahr- und Wandergruppe wollte mehr über die Tätigkeit und Aufgaben der Feuerwehr sowie deren Einsätze nach Eingang eines Hilferufe unter der Notruf-Nummer 112 erfahren.

Bild 1: Hauptwache der Freiwilligen Feuerwehr Ahlen

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Deshalb besuchte sie unter Leitung von Benno Hülsböhmer nach vorheriger Terminabstimmung die Hauptwache der Freiwilligen Feuerwehr Ahlen, die sich am Konrad-Adenauer-Ring 50 befindet (siehe Bild 1).  

Die Gruppe wurde begrüßt von dem stellvertretenden Leiter der Hauptwache, Herrn Wolfram Schneider (Bild 2 + 3).

Seit mehr als 25 Jahren ist die Telefonnummer 112 mittlerweile in allen Staaten der Europäischen Union die Nummer für Notfälle und der einheitliche und direkte Draht zu schneller Hilfe. Auch in sämtlichen Handynetzen verbindet 112 mit der zuständigen Notrufzentrale. Das Gespräch mit der Notrufnummer ist immer kostenlos!

In Abhängigkeit vom jeweiligen nationalen System für den Bevölkerungsschutz kommt der Notruf zumeist bei Feuerwehr, Rettungsdienst oder Polizei an.

Wird bei einem Notfall im Ahlener Stadtgebiet die Notrufnummer 112 gewählt, landet dieser Notruf automatisch in der Einsatzzentrale der Feuerwehr Ahlen. Noch während der Mitarbeiter in der Einsatzzentrale ermittelt, gibt er alle wichtigen Daten zu diesem Notfall durch ein Abfrageschema in den Einsatzleitrechner ein. Durch das voll automatisierte und rechnergestützte Feuerwehr-Einsatzleitsystem werden alle Einsätze der Feuerwehr Ahlen koordiniert (siehe Bild 4 und Bild 5). Sobald der Notfallort und die Notfallart eingegeben sind, schlägt der Einsatzleitrechner die nächstgelegenen und geeigneten Kräfte für diesen Einsatz vor.

Jede Gemeinde/Stadt ist nach den gesetzlichen Bestimmungen verpflichtet, eine Freiwillige Feuerwehr vorzuhalten. In der Stadt Ahlen ist das die Freiwillige Feuerwehr Ahlen, die die Aufgaben der Feuerwehr und des Rettungsdienstes ausführt. Rund 230 aktive haupt- und ehrenamtliche Feuerwehrleute sorgen rund um die Uhr für die Sicherheit der Menschen in Ahlen. Im Bereich abwehrender und vorbeugender Brandschutz leisten die Feuerwehrleute jährlich ca. 700 Einsätze und ca. 7600 Einsätze im Bereich Rettungsdienst Feuerwehr und Rettungsdienst der Stadt Ahlen. Die Feuerwehr ist nicht nur für die Bekämpfung von Bränden zuständig, sondern auch für die technische Hilfeleistung bei Unfällen jeglicher Art, den Katastrophenschutz und für den Rettungsdienst. Auch der vorbeugende Brandschutz gehört zu ihren Aufgaben. Auch unter schwierigsten Bedingungen sind die Feuerwehrleute gewohnt, alles zu geben, um ein Menschenleben zu retten oder Sachwerte zu schützen.

Zur Zeit versehen 62 beamtete, hauptberufliche Feuerwehrleute für den Rettungsdienst in der Feuer- und Rettungswache ihren Dienst. Durch sie wird der Rettungsdienst sowie der erste Abmarsch im Brandschutz- und Hilfeleistungseinsatz sichergestellt.

Hierbei werden sie unterstützt von 4 ehrenamtlichen Löschzügen mit ca. 200 Mitgliedern:

Feuerwehr Hauptwache (Löschzug 1+2)
Gerätehaus Süd (Löschzug 3)
Gerätehaus Dolberg (Löschzug 4)
Gerätehaus Vorhelm (Löschzug 5)

Im Stadtgebiet werden von der „Hauptamtlichen Wache“ Kleineinsätze (z.B. Kleinbrände, Verkehrsunfälle, Hilfeleistungen, Umweltschutzmaßnahmen u.ä.) alleine durchgeführt. In den weiter entfernt liegenden Stadtteilen Dolberg, Vorhelm und dem südlichen Teil von Ahlen werden sie hierbei von der Freiwilligen Feuerwehr unterstützt, besonders auch bei größeren Einsätzen im Stadtgebiet. In einer Alarm- und Ausrückeordnung ist das genaue Vorgehen bei Alarmen der Feuerwehr vorgeschrieben.

Die Freiwilligen Feuerwehren bekämpfen Brände, retten Menschen und Tiere aus Notlagen und leisten technische Hilfe bei aller Art von Unfällen.

Jeder Angehörige der Freiwilligen Feuerwehr ist dem Löschzug zugeordnet, der seinem Wohnsitz am nächsten liegt. Die Alarmierung im Einsatzfall erfolgt über Funkmeldeempfänger.

Die Ausbildung zum Feuerwehrmann/-frau erfolgt durch die Freiwillige Feuerwehr, die auch die persönliche Ausrüstung (Helm, Stiefel, Dienstbekleidung) stellt. Von der Stadt Ahlen wird der durch Einsätze entstandener Verdienstausfall ersetzt. Im Rahmen der Tätigkeiten sind alle Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr versichert.

Für die Aufnahme in den freiwilligen Feuerwehrdienst müssen alle Bewerber bestimmte persönliche Mindestvoraussetzungen (Alter, geistige, körperliche Eignung und Fähigkeiten) erfüllen.

Bisher wurden Bewerber ausgewählt, die auch über handwerkliche Ausbildungen verfügten. Da aber immer weniger Bewerber aus Handwerksberufen zur Verfügung stehen, sind inzwischen auch Bewerber aus anderen Berufszweigen, z.B. kaufmännischen Berufen oder mit EDV-Kenntnissen willkommen. Sogar weibliche Bewerber können inzwischen die Aufgaben und Tätigkeiten eines Feuerwehrmannes/einer Feuerwehrfrau übernehmen.

Die Grundausbildung dauert in der Regel ca. 1 ½ Jahre, der sich eine Ausbildung zum Notfallsanitäter (Dauer: 2 ½ bis 3 Jahre) und weitere Ausbildungsabschnitte anschließen. Erst nach 8 bis 9 Jahren ist die Ausbildung zum fertigen Feuerwehrmann/Feuerwehrfrau im Rettungsdienst abgeschlossen.

Die Fähigkeiten werden durch regelmäßige Übungen trainiert und gefestigt. Einmal jährlich muss jeder Feuerwehrmann / jede Feuerwehrfrau sich einer Atemschutzübung sowie einer gesundheitlichen Überprüfung unterziehen
(siehe Bild 9)
.

Die hauptamtlichen Kräfte sind in 4 Gruppen (Wachabteilungen) eingeteilt und müssen neben dem "normalen" Dienstbetrieb und dem allgemeinen Tagesgeschäft ihre Aufgabengebiete bewältigen. Sie arbeiten im 24-Stunden-Rhythmus und dem Tagesdienst.

Die Hauptaufgabengebiete sind:

  • Einsatzzentrale

  • Rettungsdienst

  • Lehrrettungswache

  • Qualitätsmanagement

  • Krankentransport- und Rettungsdienstabrechnung

  • abwehrender Brandschutz

  • techn. Hilfeleistung

  • elektronische Datenverarbeitung

  • Kleiderkammer

  • vorbeugender Brandschutz

  • Brandschutzerziehung

  • Kreisatemschutzwerkstatt

  • Kreisschlauchpflege

  • KFZ-Werkstatt

Nach dieser ausführlichen und informativen Aufgabenschilderung durch den stellvertretenden Wachleiter wurde die Gruppe anschließend durch die Räume der Hauptwache geführt, um dort zunächst die in den Kellerräumen eingerichtete Station zu besichtigen, in der die regelmäßigen Atemschutzübungen durchgeführt werden.

Jährlich einmal müssen sich die Feuerwehrleute den strengen Anforderungen unterziehen, die eine solche Übung verlangt. Neben der gesundheitlichen Überprüfung durch Ärzte müssen Feuerwehrleute unter erschwerten Bedingungen (bei völlig verdunkelten Räumen, teilweise unter Einwirkung von Nebel) mit dem Atemschutzgerät die Übungsstrecke absolvieren.

Anschießend begab sich die Gruppe in den Bereich der Schlauchpflege, in der die Schläuche der Feuerwehren aus dem gesamten Kreisgebiet gewartet und auf ihren Zustand überprüft werden. Dabei werden die Schläuche von Schmutz und sonstigen Verunreinigungen gereinigt. Nach der Wäsche werden die Schläuche in einem Schlauchturm zum Trocknen aufgehängt (siehe Bild 7). Darüber hinaus kann der Turm auch für Anleiter- und Abseilübungen genutzt werden. Bei Atemschutzübungen kann der Turm zur Simulation eines Treppenhauses in einem Hochhaus.

Danach wurde die Gruppe ins obere Stockwerk geführt, um dort einen Blick in die Leitstelle zu werfen, in der die Notrufe und Einsatzanforderungen landen. Diese Zentrale ist ständig durch einen hauptamtlichen Feuerwehrmann besetzt, der die Anrufe und Meldungen entgegennimmt und das weitere Vorgehen und die Alarmierung der notwendigen Einheiten je nach Sachlage vornimmt. Der diensthabende Feuerwehrmann kann bei der Ausübung seiner Tätigkeit auf eine größere Anzahl an technischen Einrichtungen, insbesondere Bildschirmen zurückgreifen, die ihn bei der Koordinierung, Leitung und Zusammenstellung der jeweiligen Einsätze unterstützen. So kann er dabei z.B. auf aktuelles Kartenmaterial (Stadt- und Wegepläne) zurückgreifen, um der jeweiligen Einsatzeinheit den direkten Weg zum Einsatzort zu weisen.

Die für den jeweiligen Einsatz benötigten Einheiten werden akustisch und optisch alarmiert. Durch eine im gesamten Wachgebäude hörbaren, lauten Abfolge von Signaltönen erfolgt die akustische Alarmierung. Den Fahrzeugen sind bestimmte Tonfolgen zugeordnet. Die optische Alarmierung erfolgt rot blinkend durch Alarmtableaus im gesamten Wachgebäude wird gleichzeitig tagsüber automatisch die Raumbeleuchtung eingeschaltet, nachts wird das Licht selektiv die einzelnen Ruheräume geschaltet. Eine "Einsatzdepesche" auf der der Einsatzort, Anfahrtsbeschreibung, Art des Einsatzes, die alarmierten Fahrzeuge, der oder die betroffene Person aufgeführt sind, wird ausgedruckt.

Danach folgte ein Einblick in die Abteilung und die Tätigkeit des Rettungsdienstes und des Krankentransportdienstes, damit verbunden die Besichtigung der für den Einsatz zur Verfügung stehenden Fahrzeuge und deren Ausstattung.

Der Rettungsdienst der Rettungswache Mitte kann folgende Fahrzeuge einsetzen:

- 2 RTW (Rettungswagen)
- 2 NEF (Notarzteinsatzfahrzeug)
- 1 KTW (Krankentransportfahrzeug)

Nach einem Gang durch die Kleiderkammern (siehe Bild 8), in der die Bekleidungsstücke der einzelnen Feuerwehrleute einsatzbereit gelagert werden, folgte die Besichtigung der in den Hallen für den Einsatz geparkten Lösch- und Materialfahrzeuge sowie deren Ausstattungsmerkmale.

Zum Abschluss der fast 3 -stündigen Führung wurde den Teilnehmern ein dringender Hinweis auf die Notwendigkeit der eigenen Vorsorge gegeben, die durch die inzwischen gesetzliche vorgeschriebene Ausstattung der eigenen Wohnung mit Rauchmeldern möglich gemacht wird.

Noch bevor sich die Teilnehmer verabschiedeten, konnten sie eine Alarmierung in der Realität erleben. Rettungsfahrzeuge und der Notarzt wurden zu einem Verkehrsunfall gerufen, der sich soeben im Ortsteil Vorhelm ereignet hatte.

Fotos: ga