Die Weinbergschnecke


Als ich neulich morgens das zum Garten gelegene Schlafzimmerfenster zum Lüften öffnete, erblickte ich auf dem Terrassentisch eine dicke Schnecke, die bei dem feuchtwarmen Wetter auf der Tischkante in ihrem Schneckentempo davonglitt.

Foto: ga

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Sie war das ca. 80 cm hohe Tischbein hinauf gekrochen und bewegte sich nun am Tischrand fort, obwohl dort nach meiner Einschätzung nichts Nahrhaftes für sie zu entdecken war.

Die meisten Leute haben gegenüber diesen “glitschigen“ Lebewesen immer eine mehr oder weniger kleine Abscheu, einige finden sie sogar ekelig.


Bei diesem Exemplar handelte es sich um eine Weinbergschnecke (wissenschaftlich. Name: Helix pomatia) und trägt als Landschnecke ein Gehäuse. Ein Blick in Wikepedia gibt zu diesem Lebewesen weitere Erläuterungen.

Die Weinbergschnecke kommt in lichten Wäldern, Gebüschen und offenen Lebensräumen vor allem auf kalkreichen, nicht zu trockenen Böden vor, teils auch kulturfolgend in nicht zu intensiv genutztem Kulturland. Sie ist sehr wärmeliebend und standorttreu. Im Gegensatz zu anderen Schneckenarten ist sie fähig, sich verschiedenen Lebensbedingungen anzupassen.

Sie kann in freier Natur ein Alter von acht Jahren erreichen und wird bis zu 10 cm lang und etwa 30 g schwer. Auffallend ist das braun, grau oder beige gemusterte, runde und gewundene Gehäuse, das einen Durchmesser von maximal fünf Zentimetern aufweist. Dieses besteht aus Kalk und zeigt meist eine rechtsgängige Spirale. Hinter dem Kopf befindet sich auf der Sohle ihr muskulöser Kriechfuß, mit dem sie eine feuchte Schleimspur hinterlassend und ihr Gehäuse tragend, über den Boden kriecht. Dabei streckt sie ihre vier Fühler aus. Bei Gefahr zieht sie sich in ihr Schneckenhaus zurück. Das Schneckentempo beträgt etwa 7 Zentimeter in der Minute (4,2 m/h) , das jedoch von der Lufttemperatur abhängig ist. Weinbergschnecken können sehr gut klettern.

Die Weinbergschnecke ernährt sich von weichen, welken Pflanzenteilen und Algenbewüchsen, die sie mit ihrer Raspelzunge abweidet.

Den Winter verbringt die Weinbergschnecke in einer Kältestarre, verkriecht sich dazu in der Erde und zieht sich in ihre Schale zurück. Sie verschließt die Schalenöffnung mit einem Kalkdeckel, den sie im Frühjahr beim Ausschlüpfen wieder abstößt.

Auch bei starker Trockenheit im Sommer und damit verbundenem Wassermangel können Weinbergschnecken auch einen Trockenschlaf halten, indem sie sich dazu ebenfalls mit einem Deckel verschließen. Sie verzögern damit die Verdunstung des im Körper gespeicherten Wassers. Sobald eine ausreichend lange Zeit genug Feuchtigkeit in der Umgebung vorhanden ist, entdeckelt sich die Schnecke wieder.

Nach dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen sind Weinbergschnecken streng geschützt. Trotzdem sind in vielen Ländern Schnecken als Lebensmittel gebräuchlich. Besonders in Frankreich gelten sie als Delikatesse. Dort werden jährlich annähernd 10.000 Tonnen Weinbergschnecken verzehrt. Meist stammen heute Schnecken im Lebensmittelhandel aus der Schneckenzucht, z.B. aus dem Burgund, dem Schweizer Waadtland und aus Süddeutschland.

Ihre natürlichen Feinde sind der Maulwurf, Igel, Vögel und die Ameisen.