Manfred Pieske: Geschichten aus Teltow

Wir konnten für unsere Website einen Gastautor aus Ahlens Partnerstadt Teltow gewinnen. Es ist der Schriftsteller und Journalist Manfred Pieske, der die Poolbürger unserer Partnerstadt gerne unter die Lupe nimmt.
Mit seiner Geschichte „Ach ja, dies Städtchen T.“ beginnen wir diese Serie.

Ach ja, dies Städtchen T.

Machen wir uns nichts vor, die besten Teltower kommen nicht aus Teltow. Sie kommen von irgendwoher, und das ist ja auch nicht weiter schlimm.

Nehmen wir nur einmal diesen Derlig, ein vierschrötiges Kraftpaket, das von jeher keinem Streit aus dem Weg ging; ein Mann,  der von sonst woher stammt und ohne den Teltow wie Suppe ohne Salz wäre. Zumindest hieß es so oft genug in den 1990ern, und vorbei ist es damit ja längst nicht.

Oder nehmen wir den Dahms mit seinem imposanten, an den Haarspitzen verwegen ausschwingenden Bart, der, wenn ihm danach ist, in der Uniform des Hauptmanns von Köpenick durch das Städtchen marschiert.

Und dann gibt es dort den Alten Fritz, auch ein Zugezogener, den Rübchenkönig Günter Duwe und andere, die Erzählenswertes zu bieten haben.

Von der Sorte läuft hier jedenfalls allerhand herum, und einige hängen mittlerweile in der Foto-Bierecke des Böfflamott am Marktplatz. Solche Leute kann man sich nicht backen, einfach so. Die muss man haben. Die wachsen nicht – so mir nichts, dir nichts – nach; so was braucht Zeit, und eines Tages ist es dann soweit.

Solch ein Fall liegt später beim heutigen Stadt-Blatt-Verleger Andreas Gröschl vor, der auch von auswärts kommt und in aller Stille, Jahr um Jahr, fast unauffällig, weiter ins Städtchen hineingewachsen ist.

Oder nehmen wir den Uwe Valentin, der seit der Wende hier von sich reden macht. Und dann überhaupt das neue politische Völkchen, das seitdem in der Stadt sein (Un)Wesen treibt, alles Leute, die es verdienen, dass wir sie näher betrachten, denn jeder hat so seine Geschichte.

Doch was rede ich hier über andere Leute. Wichtiger scheint es im Augenblick, pardon, dass ich mich selbst ins  Spiel bringe. Auch ein Teltower Import. Eines Tages, im Jahre 1991, spazierte ich zur Stadt herein und blieb hier hängen. Das war reiner Zufall, würde ich einmal sagen. Das kann an einer schicksalhaften Laune gelegen haben oder lediglich am Wetter.

Woran ich mich noch erinnere: Als ich im Städtchen ankam, hatten die Wolken nur ein paar blaue Löcher, ja, und das war schon deprimierend genug. Und dann die halbhohen, angefressenen Fassaden, was wie Krätze aussah. Und dann die wilden Müllkippen an den Straßenrändern, von Baum zu Baum. Aber was machte das schon? Die Leute hatten andere Sorgen zu der Zeit. Jeder hatte mit sich selbst zu tun. Zwar war nun oft genug von blühenden Landschaften die Rede, die in Kürze da sein würden, aber dort musste man ja erst einmal hinkommen, nicht wahr. Da brauchte man wohl eine gute Weile noch lange Beine, und so war es mir schon recht, erst einmal irgendwo unterzukommen und wenn dies nur in einer Kleinstadt geschah. Aufregendes erwartete ich nicht, denn dies Teltow war mir aus Ostzeiten halbwegs vertraut. Erste Bekanntschaft machte ich mit dem Städtchen Mitte der 1980er Jahre, und das war, fürs erste, schon einmal keine erzählenswerte Geschichte, eigentlich. Im Laternenlicht besehen.

-mr/ct-