Münsterland = "sagen" - haftes Land (9)

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Von der Sage über "das hockende Weib" wollen wir diesmal berichten.

Die Sage vom hockenden Weib

Aus der Zeit der großen Fluten berichtet uns eine Sage aus dem Tecklenburger Land.

In der Bauernschaft Dörenthe bei Brochterbeck erheben sich am Teutoburger Wald mächtige Felsen, die „Dörenther Klippen“. Am höchsten ist „das hockende Weib“, ein gewaltiger Felsen, der auf seiner Spitze einen kleineren trägt.

Der Sage nach wurde hier eine Mutter, die vor der wogenden Flut mit ihren Kindern Rettung auf dem Gebirge suchte, auf ihr Gebet hin in Stein verwandelt und bot so den Kindern einen sicheren Zufluchtsort.

Das hockende Weib

Das Wasser!  Das Wasser!  Es kommt, es kommt! -
O Mutter fliehe, so lang es noch frommt.
Schon leckt´s an der Schwelle, schon bricht es die Wand,
die Spindel entsinkt der bebenden Hand.
Sie raffet empor die Kinderlein:
Auf Leben und Tod in die Brandung hinein!
Es wogen die Wasser, es heult der Wind!
„Ach Mutter, Mutter! Geh´ doch geschwind!“
Hinauf am Gebirg´! – Herr, schütze sie!
Die Wasser spülen ihr um das Knie!
Die Wasser drängen mit Macht, mit Macht:
Herr, sei ihr gnädig in dieser Nacht.
Hinauf! Hinauf! – Sie schwankt – sie fällt –
Behüte die Kinder, o Herr der Welt!“
Erhöret wurde das hockende Weib:
Zum öden Felsen erstarrt ihr Leib.
Da waren auf dem Nacken von Stein
In Gnaden behütet die Kinderlein.

(Seiler)

Weitere Überlieferungen finden Sie unter unserer Rubrik "Kultur"


Foto: Erich Westendarp/www.pixelio.de

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Foto: Erich Westendarp