Für den Weihnachtsmann, Himmelspforte


Unser Gastautor Friedrich Buchmann hat diese schöne Geschichte geschrieben, in der der Weihnachtswunsch der kleinen Anna in Erfüllung geht. Viel Spaß beim Lesen!

© Monroe

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FÜR DEN WEIHNACHTSMANN,
HIMMELSPFORTE

Sie schließt den Brief und klebt eine Briefmarke darauf. Plötzlich kommt die Mutti ins Zimmer und fragt Anna:
„Willst du dich nicht anziehen und frühstücken? Wir wollen zur Oma und mit ihr in den Supermarkt, um einzukaufen. Anna steht stillschweigend und ohne Widerwort auf. Sie geht in die Küche. Mit Widerwillen isst sie ihr Brötchen. Dabei muss sie immer an den Streit ihrer Eltern denken und daran, dass Mutti gesagt hat: „Ich lasse mich scheiden!“
Annas Schutzengel sagt vor sich hin: „Ich helfe dir! „

Als sie mit dem Frühstück fertig ist, ziehen sie sich beide an und gehen zu Fuß zur Oma. Sie haben kein Straßenbahngeld.
Nach einer Stunde kommen sie dort an. Anna und ihre Mutter sind durchgefroren und der Schnee hatte sein Übriges getan. Bei ihrer Großmutter in der Wohnung zieht das Mädchen ihre nassen Sachen aus und läuft gleich ins Wohnzimmer. Dort fällt sie ihrer Opa in die Arme. Bitterlich Tränen weint das Kind. Der Großvater kann sie gar nicht beruhigen.
Die Oma kommt ins Wohnzimmer und fordert beide auf: „Kommt, zieht euch an, wir fahren in den Supermarkt, um einzukaufen!“
Ihr Mann meint aber: „Nun warte noch ein Viertelstündchen, bis Anna warm geworden ist und sich beruhigt hat.“

Seine Enkeltochter hat mittlerweile aufgehört zu weinen und ist auch aufgewärmt. Nach einer halben Stunde sitzen alle vier im Auto und fahren zum Supermarkt. Das Mädchen freut sich, denn dort ist ein Postkasten, und sie kann ihren Brief einstecken. Der rüstige Rentner parkt das Auto und sie gehen alle zum Eingang.
Vor dem Eingang steht ein weißbärtiger Weihnachtsmann in einem roten, mit weißem Fell besetzten Mantel und einer Kapuze. Annes Vater ist so gut verkleidet, dass keiner aus seiner Familie ihn erkennt.
Schutzengel Herbert hat es gut organisiert, dass Anna und der Supermarkt Weihnachtsmann zusammentreffen.

Der Weihnachtsmann geht auf seine Tochter zu, gibt ihr eine Tafel Schokolade und eine kleine Puppe. Das Mädchen sagt höflich: „Danke“ und meint dann weiter:
„Lieber Weihnachtsmann ich möchte gerade einen Brief mit meinem Wunschzettel an dich abschicken, aber so kann ich ihn dir persönlich geben.“
Anna holt den Umschlag aus der Tasche und gibt ihn dem weißbärtigen Weihnachtsmann. Dieser nimmt das Kuvert und steckt ihn in die Manteltasche. Ein anderer kleiner Junge kommt und geht zu dem Weihnachtsmann.
Annes Mutti hat einen Einkaufwagen geholt und ab geht es in den Supermarkt. Die Großmutter kauft für ihre Tochter die nötigsten Sachen ein und bezahlt sie auch.
Der Großvater sieht sich mit seiner Enkeltochter in der Spielzeugabteilung um und fragt sie, was auf den Wunschzettel drauf stand.
Doch Anne sagte: „Nichts von hier, es ist etwas anderes.“

Nach dem Einkauf fahren alle nach Hause zur Oma. Diese kochte noch Essen. Anschließend bringt der Opa mit dem Auto seine Tochter und Enkeltochter nach Hause.
Es ist Verkaufsende und der Supermarkt schließt seine Pforten.
Auch Annas Vater hat den ersten Tag als Weihnachtsmann gut herumbekommen. Er ist sehr müde und die Arbeit als Weihnachtsmann vor dem Supermarkt nicht gewohnt. Er hatte den ganzen Tag Dienst und man merkt ihn an, dass er kaputt ist.
Heute hat der Weihnachtsmann von fünf Kindern Wunschzettel bekommen. Diese legt er in seinen Umkleideschrank. Vor Müdigkeit wird er sie heute nicht mehr lesen, denn er möchte gleich ins Bett, um sich auszuruhen. So fährt er nach Hause und legt sich gleich schlafen. Mit seiner Frau und mit Anna spricht er kein Wort.
Den ganzen Advent beglückte Annes Vater die Kinder vor den Supermarkt. Am Heiligen Abend mittags ist seine Tätigkeit zu Ende.
Annas Schutzengel hilft dem Mädchen, die Gedanken ihres Vaters auf die Briefe für den Weihnachtsmann zu lenken.

Erschöpft und durchgefroren sitzt er auf einen Stuhl im Umkleideraum. Sein Schrank ist geöffnet und da sieht er die Briefe mit den Wunschzetteln der Kinder an den Weihnachtsmann.
Er erinnert sich, dass auch ein Brief von seiner Tochter dabei ist. Annas Papa sucht die Briefe durch und findet den Umschlag. Er machte ihn auf und liest:

„Lieber Weihnachtsmann!
Meine Mutter will sich von meinem Vater scheiden lassen.
Ich liebe sie doch beide!
Bitte hilf mir, dass es nicht soweit kommt.
Ich möchte nichts weiter geschenkt haben,
nur, dass sich meine Eltern nicht mehr zanken, sie sich nicht scheiden lassen und dass mein Vater richtige Arbeit bekommt.
Lieber Weihnachtsmann, bitte, bitte, mache das!
Liebe Grüße von Anna“

Als der Vater den Zettel gelesen hat, wird er schwermütig und traurig. Langsam zieht er sich um und seine letzte Tätigkeit führt ihn zur Geschäftsleitung des Supermarktes.
Unterwegs denkt er immer an Annas Wunschzettel. „Wie recht sich doch hat“.
In der Geschäftsleitung gibt er noch alle Briefe der Kinder ab und bekommt dort seine Lohntüte. Auch liegt noch ein kleines Geschenk dabei.
Der Verkaufsleiter des Supermarktes spricht Klaus an.
Das hat der Schutzengel Herbert und der des Personalchefs organisiert.

„Sie haben ihre Arbeit gewissenhaft gemacht. Darum können sie, wenn sie wollen, am 2. Januar wiederkommen. Wir brauchen noch einen Lagerarbeiter zum Auffüllen der Regale und im nächsten Jahr einen Weihnachtsmann. Wäre der Job etwas für sie?“ Klaus antwortete voller Freude mit: „Ja“, er bedankt sich, nimmt seine Lohntüte und das Geschenk und fährt aufgeregt nach Hause. Er freut sich und denkt:
„Nun wird alles gut und der Wunschzettel meiner Tochter geht in Erfüllung.“

Schutzengel Herbert taut Annas Vater Sprache wieder auf und lässt ihn zu seiner Frau sprechen
Diese wundert sich, dass ihr Mann sie anredet, da er ja die ganzen Adventszeit kein Wort gesprochen hat.
„Ich habe heute wieder Arbeit bekommen. Ich kann im neuen Jahr im Supermarkt als Lagerarbeiter anfangen und in der Adventzeit der Weihnachtsmann sein“, dann gibt er ihr die Lohntüte und das Geschenk aus dem Supermarkt.
„Bitte, lass uns noch einmal neu beginnen, ab jetzt wird alles besser.“

Er zeigt seiner Frau, Annes Wunschzettel. Diese ist ganz verdutzt und weiß nicht, was sie sagen soll. Sie fragt ihn unter Tränen:
„Wo hast du den her?“
Ihr Mann erklärt seiner Frau, dass er der Weihnachtsmann vor den Supermarkt war und Anne ihn den Wunschzettel gegeben hat. Sie fällt ihren Mann um den Hals und weint.
Anna sitzt in ihrem Zimmer und hat alles mit angehört. Vor Freude springt sie von ihrem Stuhl auf und läuft in die Küche. Dort umarmt sie ihre Eltern und ihr laufen Freudentränen über das Gesicht.
Annes Vater drückt sie und sagt:
„Es wird alles gut!“

Am Abend klingelt es an der Tür und das Mädchen macht auf. Es sind Oma und Opa. Ihr Großvater bringt für seine Enkeltochter noch ein großes Paket mit.
Er gibt es Anna und sagt dann:
„Hier, das hat der Weihnachtsmann für dich abgegeben.“ Sie nimmt das Paket und geht ins Wohnzimmer. Dort macht sie es auf. Zum Vorschein kommt „Schnappi“, das kleine Krokodil, ein Plüschtier. Anna freut sich sehr und mit ihr die ganze Familie.
Als sie am Abend im Bett liegt, faltet das Mädchen ihre Hände und betet zu Gott für das wunderschöne Geschenk, das der Schutzengel Herbert ihrer Eltern und sie gebracht hat, denn sie liebt sie doch beide.

© Friedrich Buchmann