Aberglaube.......


Gibt es schlechte Omen, die ein Unheil ankünden?
Unsere Gastautorin erzählt ihre ganz persönliche Lebensgeschichte.

Foto: ©diekleinebenzmann



Damit die eine Seite des zweiflügeligen schmiedeeisernen Tores nicht vor meiner Nase wieder zuschlägt, drückt er es fest zurück, läuft dann weiter voraus, dreht sich auf einmal zu mir um und sagt mit einem leichten Lächeln in den Mundwinkeln:

„Du musst das Tor hinter dir schließen, sonst bist du die Nächste, die man hier hereinträgt!“

Erstaunt schaue ich meinen Mann an: „ Das ist doch Aberglaube!“, gehe aber brav die ein/zwei Schritte zurück und schließe das schwere Tor, was dabei in den Scharnieren schrecklich quietscht. Erschrocken zucke ich zusammen. Was für ein lebendiges, der Natur entsprechendes, aber unangenehmes Geräusch an diesem Ort mit seiner himmlischen Ruhe.

In den alten und hohen Bäumen fliegen ein paar Krähen auf und fangen an zu zetern. Doch schon kurz darauf ist nur noch das Rascheln des Windes in den Bäumen und das Summen von Insekten zu hören.

Wir beide, mein Mann und ich stehen am Grab und gedenken derer, die darin liegen. Holen dann Wasser für die Bepflanzung, säubern die Grabstelle, erst dann stellen wir die mitgebrachten frischen Blumen zu den anderen dazu. Erzählen uns Anekdoten von denen, die nun im Grab liegen, als sie noch unter uns weilten: „Weißt du noch damals... ?“

Dann verlassen wir Hand in Hand den Friedhof, und schmieden Pläne. Sind mit den Gedanken wieder mitten im Leben.

Kein halbes Jahr später, am frühen Abend öffnet sich das Tor. Nun beide Flügel.

Wir gehen hinter meinem Mann her.

Unsere Kinder, seine und meine Familienangehörigen, seine Freunde, unsere Nachbarn, wir alle...

… und niemand schließt das Tor hinter uns...

© diekleinebenzmann