Was sind Bäume für uns?


Es ist Anfang Oktober und bald werden die Bäume ihre Blätter verlieren. Über das Baumsterben  wird in dieser Zeit reichlich berichtet, doch was sind die Bäume für uns? Mit dieser Frage hat sich unsere Gastautorin beschäftigt.

© diekleinebenzmann

In Zeiten des Klimawandels unter der unser Wald leidet,  indem immer mehr Bäume absterben, gedenke ich ihrer. Was Bäume den Menschen bedeutet haben, was sie mir und vielleicht anderen Menschen noch bedeuten.

Was sind Bäume für uns?

Sie stehen oft an mystischen Orten und haben auch noch heute ein große Symbolkraft. Manche Bäume haben ihre eigene Geschichte, Magie und Wirkung. In früheren Zeiten galten sie als heilig, sie waren Sitz der Götter. Unter ihnen wurde Recht gesprochen und Frieden geschlossen. Bäume sind nicht nur Luftfilter, Sauerstofferzeuger und Holzlieferanten für Möbel, Häuserbau und als Kaminholz, sie sind viel mehr.

Viele Früchte der Bäume dienen uns als Nahrung. Teile von ihnen, wie Rinde, Blüten, Früchte und Blätter, sie bringen uns Linderung und Heilung. Sie sind Erkennungs- und Grenzmarke und richtungsweisend. Asthöhlen wurden oft als geheime Postkasten verwendet. Je größer ein Baum wird, umso besser spendet er uns Schatten. In alten Zeiten war der Treffpunkt unter einem Baum die beste lokale Zeitung: War der Baum groß und stand mitten im Ortskern, fand man unter ihm Bänke, die zum Sitzen einluden, um dann den allgemeinen Tratsch und Klatsch auszutauschen.

Einer meiner Lieblingsbäume ist die Birke, ich weiß nicht warum, aber schon als Kind fühlte ich mich magisch von ihnen angezogen. Wenn ich meine Großeltern besuchte, musste ich zuerst „meine“ Birken, die vor dem Haus meiner Großeltern standen, umarmen, erst danach umarmte ich meine Großeltern.

Für mich war es als 17jährige eine Tragödie als die schöne große Birke, die sich als Samen irgendwann vor meinem Fenster selbst angepflanzt hatte, abgesägt werden musste, weil die Wurzeln die Hauswand beschädigten.

In der selben Woche hörte ich das 1. Mal das Lied von Alexandra „Mein Freund der Baum...“ . Wie man sich denken kann, es wurde „mein“ Lied, und wird es heutzutage im Radio gespielt, geht ein wehmütiges Ziehen durch meine Glieder.

Meinen ersten Kuss bekam ich in einem Kreis von Kastanienbäumen. Darum macht es mich besonders traurig, dass diese Bäume durch die Miniermotte stark bedroht sind. Vielleicht werden unsere Ur-Enkel Kastanien mit ihrem mächtigen Wuchs nicht mehr kennenlernen, und nicht mehr ihre Früchten sammeln und mit ihnen basteln können.

Im Herbst, wenn die unheimlichen kahlen Gerippe der großen Laubbäume gespenstisch gegen den Himmel ragen, und man freudig raschelnd durch das Laub laufen kann.

Und dann im Frühling, wie faszinierend sind die Bäume anzusehen, wenn das junge frische Grün an den Ästen hervorbricht.

Wie sie sich raunend im leichten Sommerwind miteinander unterhalten, oder leise flüsternd über die unwissenden Menschen herziehen. Der eine oder andere vor Alter oder schwer beladen mit Früchten im Herbst stehend, ächzt und stöhnt, bei Eiseskälte knirschend und knackend dem Winter trotzt. Selbst ihr Weinen kann man vernehmen, wenn man ganz leise den Wald durchquert. Dann bleibe ich stehen, schaue nicht nur, sondern höre dem Spiel der Natur zu und das nicht nur, wenn der Wind durch hohe immergrüne Tannen braust.

Es gibt noch viele Bäume, vielen Arten von Bäumen, aber wie lange noch?

© diekleinebenzmann