Auf den Spuren von Augustin Wibbelt (2)


Eine Radwanderung von und mit Günther

Augustin Wibbelt

Wibbeltbrunnen

Pforte zur Wibbeltkapelle

4. Spruchstein (Weißt du auch, wer hinter dir geht? was aus deiner Spur entsteht? fege den Weg und wäge dein Wort alles ist Saat.)

Figurenbaum

5. Spruchstein (Brauchst dich nicht so sehr erschrecken, siehst du düstre Wolken steigen. Gewitterschauer muss verziehen und der stärkste Wind muss schweigen, lass dich nur nicht unterkriegen!)

6. Spruchstein (So möcht‘ ich sein: für andere reich und für mich selber froh. Den Himmel darüber – dann ist es gleich, ob es so kommt oder so.)


Auf den Spuren von Augustin Wibbelt, Teil 1


Weiter geht es nun mit dem 2. Teil meiner Radwanderung

 

In der Ortsmitte am Dorfpilz in der Sichtweite der Pfarrkirche steht der von Ludwig Dinnendahl aus Neubeckum entworfene „Wibbelt-Brunnen“, der im Jahre 1972 eingeweiht worden ist. Zwei gleiche Halbkugeln aus Aluminium umschließen eine kleine Wasserfontäne. Der Sockel der Skulptur ist mit einer Lebensweisheit des Dichters beschriftet.

Der weitere Weg führte mich – dem Wegweiser „Wibbelt-Kapelle“ folgend - abseits von Vorhelm in das „Schäringer Feld“ zum Hof der Eltern des Dichters mit dem Wibbelt-Garten und der Wibbelt-Kapelle.

Wer sich an diesen Ort begibt, wird von der Stille einer vergangenen Zeit eingenommen. Dort findet man mächtige alte Bäume (Platane, Linde, Ginkgo Magnolie) wie der Dichter sie in seinen Lebenserinnerungen als „versunkenen Garten“ beschrieb.

Rechts neben dem Eingang, der zum Wibbelt-Garten und zur Wibbelt-Kapelle, führt, in der der Dichter seine letzte Ruhe fand, trifft der Besucher auf den 4. „Spruchstein“.

Der weitere Weg führte mich zurück ins „Dorf.“ Am Ende der „Augustin-Wibbelt-Straße“, die von der Hauptstraße nach Süden abzweigt, steht der Figurenbaum“, der von dem Sendenhorster Künstler Bernhard Kleinhans im Jahre 1976 entworfen worden ist. Die Bronzestatue zeigt wesentliche Gestalten aus dem Werke des Dichters: Polizist, Pastor, Räötin Gneserich, Wildrupske, Vader Klüngelkamp und Drüke Möhne.

Über die Straße „Zur Alwine“ vorbei an dem früheren Strontianitstollen der „Grube Alwine“ und entlang der Strontianitstraße erreichte ich bald den Ortsteil „Vorhelm-Bahnhof“. Gleich zu Beginn der geschlossenen Bebauung am linken Rand der Straße steht der 5. „Spruchstein“.

Kurz nach der Einmündung der Strontianitstraße in die Straße “Alte Ladestraße“ erreichte ich schließlich den letzten und 6. „Spruchstein“, der links am Straßenrand unmittelbar neben dem Wartehäuschen an der Bushaltestelle aufgestellt ist.

Hier endete meine „Wibbelt – Route“. Der Rückweg führte mich anschließend vorbei am früheren Zementwerk „Bosenberg“ und dem Steinbruch entlang der Bahnstrecke und durch Teile des „Industriegebiet Ost“ zurück in die Stadt Ahlen.

Die Fahrstrecke beträgt (ca. 32 km).


Zum Schluß hier noch einige Informationen über das Leben und Wirken von Augustin Wibbelt:

Augustin Wibbelt

Augustin Wibbelt wurde am 19. September 1862 auf dem Wibbelthof in Vorhelm, damals noch einem Bauerndorf, heute ein Stadtteil von Ahlen, als siebtes von zehn Kindern geboren.

Schon als Zwölfjährigen schickte ihn sein Vater für drei Jahre auf die Lateinschule des Vikars im benachbarten Enniger. 1883 nahm Wibbelt das Studium der Philologie in Münster auf. Doch im zweiten Semester fühlte er sich dazu berufen, Priester zu werden. Sein Vater erlaubte ihm dies nur unter der Bedingung, dass Augustin zuvor ein Jahr Militärdienst leiste. Im Herbst 1884 meldete dieser sich dazu in Freiburg im Breisgau, wo er begann, plattdeutsche Verse zu schreiben.

Zurück in Münster setzte Wibbelt sein Theologiestudium fort und trat Ostern 1887 in das dortige Priesterseminar ein. Nach der Priesterweihe am 26. Mai 1888 wurde ihm eine Kaplanstelle in Moers am Niederrhein zugewiesen. Ende 1890 wurde der junge Priester wieder nach Münster versetzt, wo er als Vikar an St. Martini wirkte. Ab 1891 publizierte Wibbelt plattdeutsche Beiträge: Für das wöchentlich erscheinende Ludgerus-Blatt verfasste er bis 1896 neben zahlreichen Artikeln zu weltanschaulichen Themen in hochdeutscher Sprache insgesamt 132 humorvolle Dialoge und Erzählungen in Münsterländer Platt.

Auf eigenen Wunsch erhielt Wibbelt die Leitung der kleinen Kirchengemeinde Mehr bei Kleve, in die er am 7. November 1906 eingeführt wurde. Hier wirkte er fast dreißig Jahre lang, bis er im Mai 1935 in den Ruhestand trat und auf den elterlichen Hof nach Vorhelm zurückkehrte.

Wibbelt, der für sein dichterisches Werk 1946 den Annette von Droste-Preis der Provinz Westfalen erhielt, starb am 14. September 1947 in Vorhelm. Er wurde zunächst auf dem Friedhof des Ortes begraben, im Jahr 1950 jedoch in seiner eigenen kleinen Kapelle auf dem Hof seiner Eltern zur letzten Ruhe gebettet. Diese heißt seither Augustin-Wibbelt-Kapelle.

Fotos: Wibbeltbrunnen, Pforte zur Wibbeltkapelle, Figurenbaum, Spruchsteine 4 bis 6 = ga

Quellenangabe der Übersetzungen: Heimatverein Vorhelm e.V.