Aufräumarbeit im Keller oder komplexe Sicht 


Die Ferien haben gerade begonnen. Bei Aufräumarbeiten im Keller fiel unserer Gastautorin eine Kiste mit Campingartikeln in die Hände. Das war der Anlass, wieder einmal über die vergangenen Tage nachzudenken.

Aufräumarbeit im Keller oder komplexe Sicht. 

Als ich in den vergangenen Tagen anfing, meinen Keller aufzuräumen, fiel mir die Kiste mit den Camping-Utensilien ins Auge. Unbedingt musste sie mal kontrolliert werden, viel zulange stand sie schon unberührt im Keller. Beim Aussortieren dachte ich an die Zeit als Betreuerin in den Zeltlagern vieler Jahre.

An die Kinder – einige, die nach ein paar Tagen unter Heimweh litten, an die, die immer zu Späßen und Streichen aufgelegt waren. Kinder unterschiedlichsten Alters und Charakteren. .. Und was hatten viele für Geschichten zu erzählen...

An das Zubereiten des morgendlichen Frühstücks. Schmieren und Belegen von hunderten halben Brötchen, was sich am Abend wiederholte, nur dass es sich da nicht um Brötchen, sondern um Brote handelte. Das viele Schnippeln von Gemüse für das Mittagsessen, was unser 4 Sternekoch zubereitete. Und das ist kein Witz, denn er nahm gerne eine Auszeit im Zeltlager von seinem anstrengenden Beruf.

An die Zeltlagerspiele, die sich jeder Betreuer in der zeltlagerfreien Zeit ausgedacht hatte. Die sich nun beweisen mussten, ob sie begeistert angenommen wurden oder sich als Pleite entpuppten.

An das Kontrollieren der Zelte vor der Mittagszeit, wie vor jeder Mahlzeit die Hände der Kinder. Lach... und was sah ich manchmal da für Hände... und abends Füße...
Am Abend, am Lagerfeuer wurde zur Gitarre gesungen, das eine oder andere Kind zu Bett gebracht und ihm eine Gute-Nacht-Geschichte vorgelesen.
Und Betreuer zu den Nachtwachen eingeteilt.
Am vorletzten Tag der Ferien die heißbegehrte Lager-Rallye. Die Kinder wurden aufgeteilt, so dass Betreuer mit fast gleicher Anzahl Kinder ein Team bildeten.
Am Abend dann die Siegesfeier, bei der die Kinder auch schon einmal über die Strenge schlagen durften.
Am nächsten Tag Abbau der Zelte, die auf einen Anhänger mit Trecker geladen wurden. Die Kinder und Betreuer traten die Heimreise etappenweise mit dem Fahrrad an. Bei den Pausen wurden dann Getränke und kleine Snacks aus meinen Auto verteilt, denn ich war diejenige, die dafür sorgte... Radfahren war nicht so mein Ding. -

Und nun stand ich im Keller und dachte an die komplexe Welt der Männer:
Ein Mann und eine Frau gehen Campen, bauen ihr Zelt auf und schlafen ein. Einige Stunden später weckt die Frau ihren Mann auf und meint:
„Schau gerade hinauf in den Himmel und sage mir, was du siehst?“
Der Mann sagt:
“Ich sehe Millionen von Sterne.“
Die Frau:
„Und was denkst du jetzt?“
Der Mann überlegt einige Minuten:
Astronomisch gesehen sagt es mir, dass da Millionen von Galaxien und Billionen von potentiellen Planeten sind. Astrologisch sagt es mir, dass der Saturn im Löwen steht. Zeitmäßig gesehen sagt es mir, dass es ungefähr 3.15 Uhr ist. Theologisch sagt es mir, es ist offensichtlich, dass der Herr allmächtig ist und wir alle klein und unbedeutend sind. Meteorologisch scheint es so, als hätten wir morgen einen wunderschönen Tag.

...Und was sagt es Dir ?“

Die Frau schaut den Mann erstaunt an und sagt dann:
„Ja, wenn du es nicht merkst, praktisch gesehen sagt es mir, jemand hat unser Zelt geklaut!“


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