Sag´ es mit Poesie!


Die Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Das Gedicht "Liebeslied eines Grashüpfers" von unserer Gastautorin erzählt davon. Viel Spaß beim Lesen!

Hier sitzt jeden Abend die schöne Salomei



Liebeslied eines Grashüpfers

Am Abend, unter dem Dach von Elfenblumen,
zog Herr von Schneck seine Fitnessrunden.
Frohgelaunt hört er der Arie des Grashüpfers zu.
Schon seit Jahren ist Herr Schneck mit ihm per „Du“.
So fragt er, angetan von dem Gesang, ganz nebenbei:
Für wen dieses romantische Lied wohl sei?
Herr Grashüpfer antwortet ihm frank und frei:
"Ich singe für die Unke, die schöne Salomei".

Sie sitzt jeden Abend, mitten im großen Teich
auf einem Seerosenblatt, einer trockenen Blüte gleich.
Der Frühling lässt sprießen so allerhand Triebe:
Das Auge des Verzückten ist so blind vor Liebe!

Kann man es aber dem grünen Kerlchen verdenken?
Will er doch seine Liebe an die Kröte verschenken!
Es hustet und würgt vor lauter Schreck,
der überraschte Herr von Schneck.
Denn Salomei ist hässlich, ganz ohne gleichen.
So versucht er, sich
ohne Kommentar davon zu schleichen.

Und die Moral von dem Gedicht,
glaubt es oder glaubt es nicht:
Die Liebe entscheidet, ob sie Dich schön findet.
Du aber bleibst du - auch wenn die Schönheit schwindet.

© diekleinebenzmann