30. Stadtteilstammtisch Ahlen-Nord


-Nachbericht-

Hermann Wenning las vor ca. 30 Zuhörern aus seinen beiden Büchern

Im Rahmen des 30. Stadtteilstammtisches stellte der Ahlener Autor Hermann Wenning am  Sonntag, den 17. Februar, um 15.00 Uhr, in der Katholischen Familienbildungsstätte Ahlen, Klosterstraße 39, seine beiden Bücher "Versoffene Jugend" und "Lauf zurück ins Leben", vor.

„Nirgendwo ist die Doppelmoral so weit verbreitet, wie beim Umgang mit Alkohol. Werden trinkfeste Mitmenschen meist hoch geachtet, so werden gescheiterte Alkoholiker umso mehr verachtet.“, mit dieser lebensnahen Feststellung leitete Hermann Wenning seine Lesung ein.

Mit höchster Aufmerksamkeit folgten die rund 30 Zuhörer/innen der anschaulich, oft drastisch aber ohne Effekthascherei geschilderten Lebensgeschichte von Hermann Wenning, von der „Versoffenen Jugend“ hin zum „Lauf zurück ins Leben“.

Vom Vereinssport mit obligatorischer „Kiste Bier danach“ bis hin zum „Alkohol zur Stress- und Problembewältigung und schließlich kompletten Kontrollverlust, ist es nur ein schmaler Grat.“, so Wenning. Viele Jahre lang befand er sich auf einer unaufhaltsamen Talfahrt, in der scheinbar ausweglosen Spirale aus Drogensucht und Beschaffungskriminalität. Nach jahrelangem Alkoholmissbrauch kamen irgendwann andere Drogen hinzu, Ecstasy und Amphetamine, dann Heroin. Immer auf der Jagd nach dem nächsten „Kick“, einer kurzfristigen Steigerung des Selbstbewusstseins, begleitet von ständiger Selbsttäuschung Versteckspielen im Alltag. Schließlich verlor Wenning seinen Job, seine Wohnung, seine Freundin und lebte ohne festen Wohnsitz in Hamburg. Drei Mal saß er im Gefängnis. Heute ist der Ex-Junkie vollkommen clean, raucht und trinkt nicht. Eine kaum vorstellbare Geschichte, die dem Publikum sichtlich Respekt abnötigte.

Allen Widerständen trotzend, brachte ein Brief seines kleinen Bruders im Gefängnis schließlich die Wende. Dieser enthielt einen Zeitungsartikel, der den Drogensüchtigen daran erinnerte, zu was er als ambitionierter Sportler in seiner Jugend in der Lage war: Dreimal hatte er den dortigen Volkslauf in seinem Heimatort Legden gewonnen und hielt damit immer noch den Rekord. „Ich war total gerührt und auf einmal war sie wieder da, die Motivation, regelmäßig zu trainieren.“ Ein Gefängniswärter ermöglichte ihm überraschenderweise die Möglichkeit, mit ihm an einem Volkslauf teilzunehmen. Besonders gestärkt durch das ihm entgegengebrachte Vertrauen, gewann Hermann neues Selbstvertrauen und innere Stärke.

Um jedoch wieder clean zu werden, musste er das Gefängnis und die damit paradoxerweise verbundenen ständige Verfügbarkeit von Drogen, verlassen. Nach Beantragungen einer Therapie, erhielt er nach zwei Jahren Aufenthalt im Gefängnis einen Platz in einer Drogenentzugs-Einrichtung. Nach achtmonatiger Therapie gewann er dann den Legdener Volkslauf zum vierten Mal.

Mit seiner Lebensgeschichte repräsentiert Wenning einen der höchstens 20 % Suchterkrankten, die es überhaupt schaffen, wieder langfristig clean zu werden. Auf die Frage, welchen Tipp er Angehörigen im Umgang mit Drogensüchtigen geben könnte, folgte eine kurze Denkpause, bis zur ernüchternden Feststellung „Eigentlich hilft nur Akzeptanz. Ein Süchtiger lässt sich nie zu etwas bewegen, wozu er innerlich nicht bereit ist.“

Bis heute ist Hermann Wenning seiner Familie dafür dankbar, dass sie ihn trotz des langen Leidenswegs nicht fallen gelassen haben.