Plattdeutsch auf der Seniorenseite


Mit dem Gedicht "De Iesel un de Siegenbuck" von Hans Sasse (mit Übersetzung ins Hochdeutsche) möchten wir diesmal die Freunde der plattdeutschen Sprache erfreuen.



De Iesel un de Siegenbuck

De Iesel un de Siegenbuck
de gongen maol de Stroat herup,
Dao gaff de Iesel sik an‘t Schreien,
de Hahn op‘n Mist fonk an de Kraihen.
Het wass just so, äs wenn de Hahn
am wiesen wull, well‘t harrer kann.

Wat blökst du Iesel unwies rüm,
dat brengt ja kleine Kinner üm,
raip do de aolle Siegenbuck,
haolt doch dien Mul, hol di kaduck.

Dat konn de Iesel wier nich häbben
un sagg tom Buck, mi quamm in‘t Liäben
nie ‘n Stinkeoas wie du entgiegen
de Ülksgestank is nide tiegen,
Du stinkst afschailik ut dien Fell
un us mien Ropen auk lük grell
biätter ist het allemaol
ääs dien Gestank, du Stinkepaol.


De Siegenbuck satt vull von Nüek,
sagg dann tom Iesel niggelik:
Mien Stinken is so sacht un still
un regt nich op äs dien Gebrüll.
Die Bölken is ja fürchterlich
mien Stinken owwer häört man nich.


Mit freundlicher Genehmigung von Hans Sasse aus seinem Buch:

N haugen Posten, dicket Gehaolt un däösig!

ISBN 3-8311-1207-X

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Der Esel und der Ziegenbock


Der Esel und der Ziegenbock,
die gingen einmal die Straße herauf.
Da begann der Esel an zu schreien,
der Hahn auf dem Mist fing an zu krähen.
Es war gerade so, als wenn der Hahn
wissen wollte, wer es lauter kann.


Was schreist du Esel so verrückt herum,
das bringt ja kleine Kinder um,
rief da der alte Ziegenbock,
halt doch dein Maul, halt dich zurück.


Das konnte der Esel wieder nicht haben
und sagte zum Bock: mir kam im Leben
nie ein Stinktier wie du entgegen
der Iltisgestank ist nichts dagegen.
Du stinkst abscheulich aus deinem Fell
und ist mein Rufen auch etwas laut
besser ist es allemal
als dein Gestank, du Stinkepfahl.


Der Ziegenbock war voller Liederlichkeit,
sagte dann nickelig zum Esel:
Mein Stinken ist so sachte (leicht, schwach) und ruhig
und regt nicht so auf wie dein Gebrüll
Dein Schreien ist ja fürchterlich
mein Stinken aber hört man nicht.


(übersetzt von Monika Röhr und Günther Andres)