Fahrt zur Wibbeltkapelle und Rückämper Kapelle, Teil 1


Es war wieder ein Donnerstag in den Sommerferien. 16 Mitglieder der SINN-Aktiv Radfahr- und Wandergruppe beim DRK hatten sich am Rande des Langstwaldes in Ahlen zusammengefunden, um eine weitere Nachmittagstour zu starten.

Foto: ga/Blick auf Vorhelm

Foto: ga/Stollen Alwine

Die Planung der Fahrtroute und Führung der Gruppe hatte diesmal Manfred übernommen. Das genaue Ziel war den Teilnehmern noch nicht bekanntgegeben worden, lediglich im Raum Enniger sollte es sein.

Die Witterungsverhältnisse waren für eine Radtour fast ideal: ca. 28 – 30 Grad Celsius. Vorausgesagt hatte der Wetterbericht: trockenes Wetter, bewölkt und zwischendurch Sonnenschein; nur ein etwas heftiger Wind aus Südwest konnte die Fahrt stören.

Die Bauern waren gerade dabei, ihren überreifen Mais, der während der langen Trockenzeit und Hitze dieses Jahres gelitten hatte, mit Mähdreschern zu ernten.

Der Weg führte zunächst über den verlängerten „Küperskamp“ in Richtung Galgenberg. Dort bog die Route in östlicher Richtung ab und überquerte die „Dorffelder Straße“ zum „Bergeickeler Weg“. Zunächst musste hier die erste „Bergetappe“ bewältigt werden, um die Strecke dann ein kurzes Stück auf der „Ahlener Straße“ in nördlicher Richtung fortzusetzen. Bald bog man nach links in die „Strontianitstaße“ ein.

Strontianitgrube „Alwine“

An der „Grube Alwine“ gab es für die Radler den ersten Stopp.

125 Jahre nach der Stilllegung der Strontianitgrube „Alwine“ sind am 9. Oktober 2016 an historischer Stelle an der Wegegabelung Strontianitstraße?/? Zur Alwine ein symbolischer Stolleneingang nachgebaut und eine Informationstafel errichtet worden. Eine rustikale Sitzbank aus Eiche kam bald hinzu und läd jetzt Wanderer und Radler zum Verweilen ein. Hier machte die Gruppe eine kurze Rast.

Nur elf Jahre lang war die Grube in Betrieb. Dennoch prägte diese kurze Epoche die Entwicklung des Hellbachdorfes Vorhelm (jetzt Ortsteil von Ahlen) nachhaltig.

Die Grube diente der Gewinnung von Strontianit.

Strontianit (SrCO3, Strontiumcarbonat) ist ein weiß grau gefärbter büschelförmig wachsender Kristall. Benannt wurde er nach dem schottischen Ort Strontian, wo er 1787 entdeckt wurde. Das Mineral kommt in Europa nur relativ selten vor. Im Jahre 1834 entdeckte ein Landwirt bei Nienberge das Vorkommen dieses Minerals auch im Münsterland. Bis zu diesem Zeitpunkt war es dort kaum bekannt.

1839/40 wurde es auch zwischen Hamm und Drensteinfurt gefunden. Die Münsterländer Vorkommen von geschätzt rund 150.000 Tonnen gelten aufgrund ihrer Reinheit als die weltweit bedeutendsten Rohstofflager dieses Minerals. In den Anfangsjahren wurde es nicht systematisch abgebaut, sondern allenfalls in kleinen Mengen an Apotheker und Feuerwerker verkauft.

Ein Zuckerfabrikant in Dessau hatte 1871 ein Verfahren entwickelt, wie man aus Rübenmelasse Zucker herstellen konnte, der weißer, reiner und gleichmäßiger gekörnt war als je zuvor: einen echten Luxuszucker. Dafür wurden große Mengen Strontianit benötigt. Ab etwa 1877 schürfte jedermann Stronitanit: große Firmen ebenso wie Einzelpersonen, die sich etwas hinzu verdienen wollten. Es entstand ein industrieller Bedarf an dem Mineral.

In der Folge entstanden rund 700 Gruben, in denen bis zu 2200 Bergleute beschäftigt waren. Das Zentrum der Förderung lag zwischen Ascheberg im Westen, Ahlen im Osten, Drensteinfurt im Norden und Hamm im Süden. Der tiefste Schacht der Grube Alwine in Vorhelm führte 110 Meter unter die Erde.

Bereits 1883 flaute der Boom wieder ab, nachdem dem Strontianit mit dem Coelestin (SrCO4) eine billigere Konkurrenz erwachsen war. Dann war der Spuk schon vorbei. Lediglich Pyrotechnik, Stahlindustrie und Waffenproduktion benötigten noch geringe Mengen an Strontianit.

Der industrielle Abbau wurde im Januar 1945 endgültig eingestellt, nachdem die letzte Grube in Ascheberg ihre Pforten schloss.

Nach einer kleinen Erfrischung an mitgeführten Getränken setzten die Radler ihre Tour in nördlicher Richtung über die Straße „Zur Alwine“fort und streifte das Wohngebiet von Vorhelm.

.........Fortsetzung folgt!


An dieser Stelle möchten wir den ausführlichen Bericht unterbrechen, um ihn in den nächsten Tagen fortzusetzen.

Lesen Sie also weiter, wie die Radler zur Augustin-Wibbelt-Kapelle gelangten mit Details über den
Pfarrer Augustin Wibbelt aus Vorhelm.