Das Bundesministerium für Gesundheit und die AOK NordWest förderten das Projekt Zukunftswerkstatt Demenz in Ahlen. Das Projekt hatte eine Laufzeit von drei Jahren und endete im März 2015. Es war Teil des Forschungsverbundes ‚DemNet-D‘, einer Studie zu Demenznetzwerken in Deutschland. Im Forschungsverbund befanden sich insgesamt 13 Projektstädte, welche durch das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) Standort Rostock/Greifswald wissenschaftlich begleitet wurden.

Zielsetzung des Projektes war es, die bestehenden Netzwerkstrukturen und Angebote für Menschen mit Demenz und deren Angehörige zu stärken. Weiterhin wurden demenzspezifische Strukturen und Angebote insbesondere im Hinblick auf die Themen „Zuwanderungsgeschichte“ und „Quartierszentren“ weiterentwickelt. Um dies zu verwirklichen hatte das Projekt vier Schwerpunkte:      

1. Die interkulturelle Öffnung des Versorgungsystems
In Ahlen leben viele Menschen mit Migrationshintergrund. Den weitaus größten Anteil bilden dabei Menschen aus der Türkei, gefolgt von Menschen deren Herkunftsland Russland ist. Weitere Gebiete aus denen Bürger_innen stammen sind unter anderem das Balkangebiet sowie Nachfolgestaaten der Sowjetunion und Jugoslawiens.1 Es soll untersucht werden, inwieweit das Versorgungssystem für diese Zielgruppen zum Thema Demenz sensibilisiert ist. Überdies sollen weitere Maßnahmen erfolgen:

  • die Weiterentwicklung kultursensibler Angebote in Kooperation mit Netzwerkpartner_innen,
  • die Qualifizierung und der Einsatz von Demenzbegleiterinnen mit Zuwanderungsgeschichte 
  • die kultursensible Qualifizierung der Partner_innen des Netzwerkes, sowie
  • die Ansprache der Zielgruppe und Öffentlichkeitsarbeit.


2. Die Verknüpfung des Themas Demenz mit dem Konzept der Quartierszentren
In Ahlen entstehen in den einzelnen Stadtteilen Quartierszentren. Diese dienen dazu, Hilfeangebote dezentral im jeweiligen Quartier erreichbar zu machen. Somit können Menschen Zugang zu Hilfeangeboten in unmittelbarer Nähe erhalten und dadurch länger in ihrer gewohnten Umgebung verbleiben. Das Projekt Zukunftswerkstatt Demenz in Ahlen wird das Thema „Demenz“ in den Quartierszentren platzieren. So sollen die Quartierszentren als Anlaufstellen für Informationen zum Thema Demenz dienen, Wohn- und Betreuungsangebote dezentralisiert werden und das Thema Demenz soll in Wohnprojekten im Quartier Raum finden.

3. Wissenstransfer mit anderen Modellkommunen
Während der Projektumsetzung erfolgen ein Austausch und enge Zusammenarbeit mit dem westfälischen Netzwerk des Forschungsverbundes ‚DemNet-D‘. Dazu zählen das „Netzwerk Demenz Kreis Minden-Lübbecke — Gesundheitsversorgung für Familien von Menschen mit Demenz“ und die „Arnsberger Lernwerkstadt Demenz“. Der im Kreis Minden-Lübbecke entwickelte Patientenpass „LOGBUCH Demenz“ wird als Instrument zum verbesserten Informationsaustausch zwischen verschiedenen Netzwerkakteuren erprobt. Für Menschen mit Demenz sollen so die Übergänge im Versorgungsnetzwerk optimiert werden.

4. Umsetzung des Case und Managements und Weiterentwicklung des Care Managements für Menschen mit Demenz und ihre Familien
Case Management meint eine Optimierung der Hilfe im konkreten Fall und in definierten Situationen. Dazu müssen im Sinne des ersten Arbeitsschrittes im Case Management-Prozess „Zugang zum Ratsuchenden“ Absprachen mit Netzwerkpartner_innen getroffen werden, um eine Versorgungsgerechtigkeit dadurch zu erreichen, dass allen Betroffenen das Angebot einer Beratung und damit ggf. auch eines Case Managements zumindest unterbreitet wird.2 Ebenfalls muss eine Weiterentwicklung des Care Managements erfolgen. Dies bedeutet die vorhandenen Strukturen auf demenzspezifische Anforderungen auszurichten und das bestehende Netzwerk um weitere Akteur_innen zu ergänzen.